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Kreisphysikus Dr. Mecklenburg (1807-1882)

Eine preußische Karriere – Teil 2

Siegelmarke eines preußischen Physikats.

Teil ❷ ▶︎ Menschen verschiedenster Herkunft und Konfession prägten mit ihrer Tätigkeit das Deutsch Kroner Land. Der folgende Aufsatz, der 2026 zuerst in polnischer Sprache in den »Wałeckie Zeszyty Muzealne« (Band 4) erschien, ist dem Amtsarzt Dr.Mecklenburg gewidmet. Der zweite Teil schildert seine Lebensgeschichte von 1848 bis zu seinem Tod im Jahr 1882.

Seine Erfahrungen bei Bekämpfung der Epidemie verarbeitete Mecklenburg im Jahr 1854 zu dem Buch »Was vermag die Sanitäts-Polizei gegen die Cholera«, das wiederum im Verlag von August Hirschwald in Berlin erschien.1Dr. Mecklenburg: Was vermag die Sanitäts-Polizei gegen die Cholera? Nach eigenen Erfahrungen beantwortet. Berlin 1854. In der Schrift vertrat Mecklenburg die irrige Ansicht, »dass der Boden bei der Cholera eine Hauptrolle spielt, dass er vielleicht der Träger des Contagiums ist«.2A. a. O., S. 34. Richtig erkannte er jedoch, dass die Krankheit stets örtlich begrenzt auftrat:

Es zeigt nun aber die Cholera die meiner Ansicht nach ganz eigenthümliche Erscheinung, dass sie nur ausnahmsweise den Ort in seiner Totalität ergreift, sie umgränzt sich vielmehr und bildete Cholera-Bezirke.«3A. a. O., S. 32.

Ebenfalls richtig war Mecklenburgs Beobachtung, dass die Cholera zumeist den ärmsten Teil der Bevölkerung traf, »dass es eine Krankheit des Proletariats ist«.4A. a. O., S. 45. Dort auch das folgende Zitat. Er forderte deshalb vor allem soziale Verbesserungen:

Da es feststeht, dass das Proletariat über Verhältniss ergriffen wird […], so muss nach Möglichkeit dem Proletariate das Proletarische genommen werden.«

Das dazu nötige Geld sei vorhanden, behauptete Mecklenburg, denn die Bekämpfung der Epidemie der Jahre 1848 und 1849 habe den Kreis Deutsch Krone 400 Taler gekostet, die besser in »erfolgreiche Vorkehrungen« geflossen wären.5A. a. O., S. 47. Die konkrete Vorschläge, die Mecklenburg zur Überwindung »des Proletarischen« machte, zeigen jedoch wenig Realitätssinn und zudem eine bemerkenswerte Tendenz zu autoritär-administrativen Handeln: So sollte der Landrat bei Ausbruch einer Epidemie »eine Commission« einsetzen, die anhand vorbereiteter Listen »das Proletariats dieses Bezirks unter steter Controle« hält, seine »Lebensweise sorgfältigst überwacht« und von den Armen das »fortschaffte, was ihnen schädlich ist«.6Ebenda. Selbst der preußischen Obrigkeitsstaat hätte derart drastische Eingriffe in die individuelle Lebensgestaltung einer ganzen Gesellschaftsschicht wohl nicht durchzusetzen können.

Titelblatt von Mecklenburgs Buch über die Cholera aus dem Jahr 1854.

Die zeitgenössische Kritik lobte Mecklenburgs »kleine Schrift, in welcher er die Resultate seiner sorgfältigen, vorurtheilsfreien Ermittelungen über Ursprung und Verbreitung der Cholera in den einzelnen Ortschaften des Deutsch-Croner Kreises« publizierte.7E. Müller: Was vermag die Sanitäts-Polizei gegen die Cholera? [Rezension]. In: Medicinische Zeitung, Nr. 44 (Beilage), Berlin, 1. November 1854, S. 215. Für Medizin- wie Regionalhistoriker ist das Buch bis heute interessant, weil es nicht nur seltene statistische Daten liefert, sondern auch die Krankheitsverläufe detailreich schildert. Ein Beispiel aus Broczyno [Brotzen] mag an dieser Stelle erlaubt sein:

Eine Escadron Husaren war am 28. October 1849 nach D.-Crone gekommen; sie verlor dort einen Mann an der Cholera und marschierte am 30. aus. Unterweg erkrankte ein Husar und starb an demselben Tage in Brotzen (mit 551 Einwohnern) bei dem Bauer Z. Am 1. November erkrankte in demselben Hause die Tagelöhnerfrau Z. und starb. Mit ihr zugleich und ziemlich zur selben Stunde erkrankten, einige Häuser davon, zwei Töchter des Invaliden R., von denen die jüngere, gleich vielen andern Kindern des Dorfes bei dem kranken Husaren gewesen war, und starben, die eine am 2. die andere am 8. November.«8Mecklenburg: Was vermag …, a. a. O., S. 26.

Schon von Schloppe aus hatte sich Mecklenburg regelmäßig als Schriftsteller an medizinischen Zeitschriften betätigt.9So z. B.: J. M. Mecklenburg: Vollständiges Lehrbuch über die Verwundungen etc. [Rezension]. In: Allgemeine medizinische Zeitung [Hrsg. C. Pabst], 5. Heft, Altenburg, Mai 1836, Spalten 633-639. Seine Aufsätze und Kritiker zeichnete er damals »J. M. Mecklenburg«, während er später – als Kreis-Physikus in Deutsch Krone – unter dem Namen »Dr. Mecklenburg« veröffentlichte. Es mag sein, dass er durch Auslassung seiner Vornamen antisemitische Ressentiments abwehren wollte, die im Deutsch Kroner Land durchaus verbreitet waren. Ein frühes Beispiel für solche Stimmungen findet sich in einem Artikel, den der Besitzer der Herrschaft Fuhlbeck, Eduard Grabs von Haugsdorf, im Dezember 1848 im Stadt- und Land-Boten veröffentlichen ließ. Ausdrücklich auf jüdische Literaten und Mediziner bezogen hieß es darin:

Nur bei dem gebildeten, mit den Forderungen der Zeit und der Menschenliebe vertrauten Mittelstande des Volkes wird die Euch zugebilligte Gleichheit als Gerechtigkeit erkannt; die höheren Stände haben selten Sympathie für Euch, und der niedere Stand trägt bis auf wenige Ausnahmen noch den alten, angeerbten, rücksichtslosen Haß gegen Euch.«10Anonym: Ansprache an unsere israelitischen Mitbürger. In: Der Stadt- und Land-Bote zunächst für die Kreise Dt. Crone, Chodziesen, Czarnikau und Flatow, 6. Jahrgang, Nr. 51, Deutsch Krone, 9. Dezember 1848, [S. 3 u. 4]. – Nach Protesten distanzierte sich von Haugsdorf später öffentlich von dem Inhalt des Artikels. Siehe dazu seine Erklärung im Stadt- und Land-Boten, Nr. 53 vom 30. Dezember 1848, [S. 4].

Als im Sommer 1873 eine neuerliche Cholera-Epidemie im Kreis Deutsch Krone ausbrach, berichtete Mecklenburg wiederum detailliert über den Ausbruch:

Nach der Ortschaft Kesburg [Karsibór] kam am 14. October eine Frau, welche in D. Krone einen Cholera-Anfall glücklich überstanden, den Ort am 26. September verlassen und sich bis dahin umhergetrieben hatte. In Kesburg […] kehrte sie bei Arbeiterfamilie Achterberg ein, bei welcher sie die Nacht zubrachte; zwei Tage später erkrankte die Hausfrau und erlag noch an demselben Tage, eine Frau, welche die Leiche gewaschen hatte, starb am 19. und eine andere, welche das Kind der verstorbenen Frau Achterberg zu sich genommen hatte, erkrankte 24 Stunden später und erlag ebenfalls. […] Auch in dieser Epidemie, wie in allen früheren in dem Kreise beobachteten, hat vorwiegend das Proletariat gelitten, während die jüdische Bevölkerung in einem auffallend geringen Grade von der Seuche heimgesucht worden ist.«11Zitiert nach: A. Hirsch: Die Cholera-Epidemie des Jahres 1873 in Norddeutschland. In: Berichte der Cholera-Kommission für das Deutsche Reich, Berlin 1879, S. 62.

Auch in Mecklenburgs medizinischen Artikeln finden sich vielfach Schilderungen, die tiefe Einblicke in die Lebensrealitäten im Kreise geben. So berichtete er im Jahr 1852 über einen plötzlichen Todesfall:

Am 4. August c. kommt der Krüger K., ein arger Säufer, 54 Jahr alt, der in Unfrieden mit seiner Familie häufig genug derbe Schläge ausgetheilt und erhalten hat, aus der Stadt S. mit einem Sacke Salz auf dem Wagen nach Hause, trägt ihn in die Stube, fängt hier Zank mit seiner Frau an, der 27jährige Sohn kommt der Mutter zu Hülfe, und er wird der Art geprügelt, dass etwa der vierte Theil des Körpers mit blauen Flecken bedeckt ist. Ob er unmittelbar nach der Misshandlung das Bett gehütet, ist nicht ermittelt; es steht aber aktenmäßig fest, daß er am 8. [Tag] angetrunken außerhalb des Hauses gewesen ist […]. Abends legt er sich berauscht und angetrunken aufs Bett, um 2 Uhr Nachts hört die Frau ihn unverständliche Worte vor sich hin murmeln, stark athmen und dann still werden. Sie springt auf, sieht nach, und findet eine Leiche.«12Dr. Mecklenburg: Die neue Richtung der gerichtlichen Medicin. In: Medicinische Zeitung, 23. Jahrgang, Nr. 51, Berlin, 20. Dezember 1854, S. 247.

Interessant ist auch die folgende Schilderung der Auswirkung übermäßigen Alkoholkonsums aus dem Jahr 1852:

Unsere Gegend bietet reichlich Gelegenheit[,] Säufer zu beobachten und zu behandeln. Nur der beginnende und der Säufer der ersten 8 bis 10 Jahre ist Objekt der Heilung, und kranket viel. […] Der alte Säufer dagegen besitzt eine bewunderswerthe Lebenszähigkeit und Immunität gegen Krankheiten. Alles um in herum ist krank, er bleibt gesund […]; die Anverwandten sehen sehnsüchtig seinem Tode entgegen, er lebt von einem Jahre zum andern, und erreicht häufig ein Alter über 60 Jahre, in Schloppe starb einer hoch in den Neunzigern; der Tod erfolgt in der Regel auf der Landstraße, im Winter durch Erfrieren, sonst an Wasersucht oder Marasmus.«13Mecklenburg: Die Wasserkur …, a. a. O.

Für seine »uneigennützige Thätigkeit bei der Behandlung armer Cholera-Kranker« war Mecklenburg bereits am 2. März 1849 von der Regierung in Marienwerder mit einer »rühmlichen Erwähnung« bedacht worden,14Preuß. Regierung Marienwerder: Amts-Blatt der Königl. Regierung zu Marienwerder, Nr. 11 vom 14. März 1849, S. 76. der im Mai 1853 die Auszeichnung mit der silbernen Impfmedaille folgte.15Preuß. Regierung Marienwerder: Amts-Blatt der Königl. Regierung zu Marienwerder, Nr. 21 vom 25. Mai 1853, S. 125 u. 126. Im Februar 1859 verlieh ihm der preußische Prinzregent – der spätere König Wilhelm Ⅰ. – den »Charakter als Sanitäts-Rath«;16Personal-Nachrichten. In: Medicinische Zeitung, 2. Jahrgang, Nr. 12, Berlin, 23. März 1859, S. 62. im Oktober 1872 wurde er mit dem preußischen Verdienstorden (Roten Adlerorden) 4. Klasse ausgezeichnet.17Auszeichnungen. In: Deutsche Klinik. Zeitung für Beobachtungen aus deutschen Kliniken und Krankenhäusern [Hrsg. A. Göschen], Nr. 41, Berlin, 12. Oktober 1872, S. 388. Ab Januar 1880 durfte sich Mecklenburg »Geheimer Sanitätsrat« nennen – und hat damit den höchsten Ehrentitel in seinem Amt erworben.18Personalien. In: Allgemeine Medicinische Central-Zeitung, 49. Jahrgang, Nr. 1 (Beilage), Berlin, 3. Januar 1880, Spalte 10.

Der preußische Rote Adlerorden Ⅳ. Klasse (Bildquelle: Wikipedia)

Zu dieser Zeit lebte Mecklenburg seit langen Jahren als Witwer. Seine Ehefrau Auguste geborene Friedemann war am 24. März 1867 in Deutsch Krone verstorben, was er gemeinsam mit der Tochter Clara »tiefbetrübt allen Verwandten und Bekannten« mit einer Anzeige in der gemäßigt-liberalen Vossischen Zeitung anzeigte.19Traueranzeige. In: Königlich Privilegirte Berlinische Zeitung (Vossische Zeitung), Nr. 72, Berlin, 26. März 1867, Zweite Beilage, S. 4. Es ist anzunehmen, dass ihm die Tochter in den folgenden Jahren den Haushalt führte und ihn auch auf Reisen begleitete, wie beispielsweise auf jene, die im Herbst 1868 zur Versammlung »Deutscher Naturforscher und Ärzte« nach Dresden führte.20Erstes Verzeichnis der Mitglieder und Teilnehmer. In: Tageblatt der 42. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte in Dresden 1868, Nr. 2, Dresden, 18. September 1868, S. 27.

Traueranzeige für Auguste Mecklenburg geb. Friedemann aus der Königlich Privilegirten Berlinischen Zeitung vom 26. März 1867

Im Jahr 1876 erkrankte der inzwischen 69-jährige schwer und konnte deshalb den jährlichen Impfbericht nicht rechtzeitig vorlegen.21Dr. Mecklenburg: Zur Impffrage. In: Vierteljahrsschrift für gerichtliche Medizin und öffentliches Sanitätswesen, Band 27, Berlin 1877, S. 164. Da er als Kreisphysikus keinen Anspruch auf eine Pension hatte, blieb er dennoch weiter im Amt, wie das in Preußen durchaus üblich war.22H. Eulenberg: Das Medicinalwesen in Preussen, Berlin 1874³, S. 603 u. 604. Im Januar 1881 hatte die Tochter Clara dann die traurige Pflicht, den Tod ihres Vaters, des königlichen Kreis-Physikus’ und Geheimen Sanitätsrats Dr. Karl Jacob Mecklenburg der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Nach dem Wortlaut der Traueranzeige, die in der nationalliberalen National-Zeitung erschien, war der »innig geliebten Vater« am 2. Januar 1882 im 75. Lebensjahr in Deutsch Krone verstorben.23Traueranzeige. In: National-Zeitung (Morgen-Ausgabe), 35. Jahrgang, Nr. 7, Berlin, 5. Januar 1882 [S. 8]. Aus seiner Heimatstadt wurde ihm in der Allgemeinen Medicinischen Central-Zeitung folgender Nachruf gewidmet:

Deutsch-Krone. Durch den vor Kurzem an einer Lungenentzündung im 75. Jahre erfolgten Tod des Kreisphysicus, Geh. San.-Raths Dr. Mecklenburg, hat unser Kreis einen sehr schmerzlichen Verlust erlitten. Der Verstorbene zeichnete sich ebensowohl durch hervorragende Tüchtigkeit, wie durch stete, auch unter den schwierigsten Verhältnissen bereite Hilfsleistung und strenge Gewissenhaftigkeit in seinem Beruf aus, Eigenschaften welche um so mehr Anerkennung verdienen, als er bei seinem hohen Alter schon an der früheren körperlichen Rüstigkeit eingebüsst hatte.«24Tagesgeschichte. In: Allgemeine Medicinische Central-Zeitung, 51. Jahrgang, Nr. 4 (Beilage), Berlin, 14. Januar 1882, Spalte 46.

Das Kreisphysikat in Deutsch Krone fiel nach dem Tod Mecklenburgs an den bisherigen Kreis-Wundarzt Dr. Adolph Wilde, der freilich auch bereits 63 Jahre alt war.25Personalien. In: Breslauer Ärztliche Zeitschrift, 4. Jahrgang, Nr. 8, Breslau, 22. April 1882, S, 95. – Der frühere Militärarzt Adolph Wilde wurde 1819 in Tuchel geboren. Anderthalb Jahre nach dem Tod des Vaters heiratete Clara Antonia Mecklenburg in Deutsch Krone den Landesbaurat und Witwer Wilhelm Oltmann (1829-1904) aus Danzig. Die Braut war nach den Aufgebotsakten 46 Jahre alt und der evangelischen Konfession zugehörig.26Verhandelt Dt. Krone, den 4. October 1883. In: Urząd Stanu Cywilnego w Wałczu: Wstȩpne akta małżeństw poniemieckie (1883), In: Archiwum Państwowe w Koszalinie Oddział w Szczecinku, Signatur: 28/227/0/003, Blatt 193 Vorderseite. Es handelte sich vermutlich um eine Versorgungsehe, mit der die Enkelin des Märkisch Friedländer Schutzjuden Moses Jacob ihre Zugehörigkeit zum preußischen Establishment sicherte.

Todesanzeige für den Kreisphysikus Karl Jacob Mecklenburg in der Berliner National-Zeitung vom 5. Januar 1882



Anmerkungen

  • 1
    Dr. Mecklenburg: Was vermag die Sanitäts-Polizei gegen die Cholera? Nach eigenen Erfahrungen beantwortet. Berlin 1854.
  • 2
    A. a. O., S. 34.
  • 3
    A. a. O., S. 32.
  • 4
    A. a. O., S. 45. Dort auch das folgende Zitat.
  • 5
    A. a. O., S. 47.
  • 6
    Ebenda.
  • 7
    E. Müller: Was vermag die Sanitäts-Polizei gegen die Cholera? [Rezension]. In: Medicinische Zeitung, Nr. 44 (Beilage), Berlin, 1. November 1854, S. 215.
  • 8
    Mecklenburg: Was vermag …, a. a. O., S. 26.
  • 9
    So z. B.: J. M. Mecklenburg: Vollständiges Lehrbuch über die Verwundungen etc. [Rezension]. In: Allgemeine medizinische Zeitung [Hrsg. C. Pabst], 5. Heft, Altenburg, Mai 1836, Spalten 633-639.
  • 10
    Anonym: Ansprache an unsere israelitischen Mitbürger. In: Der Stadt- und Land-Bote zunächst für die Kreise Dt. Crone, Chodziesen, Czarnikau und Flatow, 6. Jahrgang, Nr. 51, Deutsch Krone, 9. Dezember 1848, [S. 3 u. 4]. – Nach Protesten distanzierte sich von Haugsdorf später öffentlich von dem Inhalt des Artikels. Siehe dazu seine Erklärung im Stadt- und Land-Boten, Nr. 53 vom 30. Dezember 1848, [S. 4].
  • 11
    Zitiert nach: A. Hirsch: Die Cholera-Epidemie des Jahres 1873 in Norddeutschland. In: Berichte der Cholera-Kommission für das Deutsche Reich, Berlin 1879, S. 62.
  • 12
    Dr. Mecklenburg: Die neue Richtung der gerichtlichen Medicin. In: Medicinische Zeitung, 23. Jahrgang, Nr. 51, Berlin, 20. Dezember 1854, S. 247.
  • 13
    Mecklenburg: Die Wasserkur …, a. a. O.
  • 14
    Preuß. Regierung Marienwerder: Amts-Blatt der Königl. Regierung zu Marienwerder, Nr. 11 vom 14. März 1849, S. 76.
  • 15
    Preuß. Regierung Marienwerder: Amts-Blatt der Königl. Regierung zu Marienwerder, Nr. 21 vom 25. Mai 1853, S. 125 u. 126.
  • 16
    Personal-Nachrichten. In: Medicinische Zeitung, 2. Jahrgang, Nr. 12, Berlin, 23. März 1859, S. 62.
  • 17
    Auszeichnungen. In: Deutsche Klinik. Zeitung für Beobachtungen aus deutschen Kliniken und Krankenhäusern [Hrsg. A. Göschen], Nr. 41, Berlin, 12. Oktober 1872, S. 388.
  • 18
    Personalien. In: Allgemeine Medicinische Central-Zeitung, 49. Jahrgang, Nr. 1 (Beilage), Berlin, 3. Januar 1880, Spalte 10.
  • 19
    Traueranzeige. In: Königlich Privilegirte Berlinische Zeitung (Vossische Zeitung), Nr. 72, Berlin, 26. März 1867, Zweite Beilage, S. 4.
  • 20
    Erstes Verzeichnis der Mitglieder und Teilnehmer. In: Tageblatt der 42. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte in Dresden 1868, Nr. 2, Dresden, 18. September 1868, S. 27.
  • 21
    Dr. Mecklenburg: Zur Impffrage. In: Vierteljahrsschrift für gerichtliche Medizin und öffentliches Sanitätswesen, Band 27, Berlin 1877, S. 164.
  • 22
    H. Eulenberg: Das Medicinalwesen in Preussen, Berlin 1874³, S. 603 u. 604.
  • 23
    Traueranzeige. In: National-Zeitung (Morgen-Ausgabe), 35. Jahrgang, Nr. 7, Berlin, 5. Januar 1882 [S. 8].
  • 24
    Tagesgeschichte. In: Allgemeine Medicinische Central-Zeitung, 51. Jahrgang, Nr. 4 (Beilage), Berlin, 14. Januar 1882, Spalte 46.
  • 25
    Personalien. In: Breslauer Ärztliche Zeitschrift, 4. Jahrgang, Nr. 8, Breslau, 22. April 1882, S, 95. – Der frühere Militärarzt Adolph Wilde wurde 1819 in Tuchel geboren.
  • 26
    Verhandelt Dt. Krone, den 4. October 1883. In: Urząd Stanu Cywilnego w Wałczu: Wstȩpne akta małżeństw poniemieckie (1883), In: Archiwum Państwowe w Koszalinie Oddział w Szczecinku, Signatur: 28/227/0/003, Blatt 193 Vorderseite.

Kreisphysikus Dr. Mecklenburg (1807-1882)

Eine preußische Karriere

Siegelmarke eines preußischen Physikats.

Teil ❶ ▶︎ Menschen verschiedenster Herkunft und Konfession prägten das Deutsch Kroner Land. Der folgende Aufsatz, der 2026 zuerst in polnischer Sprache in den »Wałeckie Zeszyty Muzealne« (Band 4) erschien, ist dem Amtsarzt Dr.Mecklenburg gewidmet. Der erste Teil schildert seine Lebensgeschichte bis ins Jahr 1848.

Nach einer Feststellung des Historikers F. W. F. Schmitt (1823-1910) prägte ein »tausendjähriger Wechselverkehr« dreier Nationen – nämlich von Polen, Deutschen und Juden – das Leben im Deutsch Kroner Land.1F. W. F. Schmitt: Geschichte des Deutsch-Croner Kreises, Thorn 1867, S. 159. Der Arzt Karl Jacob Mecklenburg war einer der vielen Wanderer zwischen den durch Religion, Sprache und Kultur geschiedenen Lebenswelten.

Geboren wurde er im Quatember pro Luciae des Jahres 1807 – also zwischen dem 14. September und dem 13. Dezember – als ältester Sohn des extraordinären Schutzjuden Moses Jacob in Märkisch Friedland, einer Stadt, in der zu jener Zeit 1106 Einwohner jüdischen Glaubens in 221 Familien lebten.2General-Tabelle der sämtlichen in der Stadt M. Friedland befindlichen Juden Seelen pro Anno 1807. In: Jüdische Gemeinde Märkisch Friedland: Generaltabelle der Judenfamilien 1799-1810, LDS-Filme 7990054 (rechte Seiten) u. 7990055 (linke Seiten), verfilmt im Bundesarchiv Koblenz 1958, https://www.familysearch.org/de/search/film/007990054?i=0 bzw. https://www.familysearch.org/de/search/film/007990055?i=0, S. 429, 430 u. 455, besucht am 31.01.2026. – Im Jahr 1802 wurden in Märkisch Friedland insgesamt 1918 Einwohner gezählt – mehr als die Hälfte der Einwohnerschaft war also jüdisch. L. Krug: Betrachtungen über den National-Reichthum des preußischen Staats, und über den Wohlstand seiner Bewohner, Band 2, Berlin 1805, S. 69. Sein Vater war bei seiner Geburt 29 Jahre alt und vermutlich einer der vielen Händler im Ort; die Mutter des Knaben – der als Erstgeborener nach jüdischem Brauch den Namen Jacob erhielt – hieß Mindel und zählte 31 Jahre. Im Jahr 1812 erwarb der Vater die preußische Staatsbürgerschaft und nahm den Familiennamen Mekelburger an,3Preuß. Regierung Marienwerder: General-Verzeichniß sämmtlicher in dem Departement der Königl. Regierung von Westpreußen vorhandenen Juden welchen das Staatsbürger-Recht ertheilet worden, Marienwerder o. J. [1812], S. 53. der vielleicht daran erinnerte, dass die Familie ursprünglich aus Mecklenburg stammte.

Der Sohn Jacob erwarb seine primäre Schulbildung auf der israelitischen Schule in Märkisch Friedland4B. Lindenberg: Geschichte der israelitischen Schule zu Märkisch Friedland, Märkisch Friedland 1855, S. 22 u. 324. und besuchte dann sechs Jahre lang das Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin.5J. M. Mecklenburg: Sciagraphia metalloidum officinalium una cum expositione effectuum quos exserunt in organismum humanum. Dissertatio inauguralis medico-chemica, Berlin 1833, S. 33. Nach erfolgreicher Reifeprüfung begann er Ostern 1829 ein Medizinstudium an der dortigen Friedrich-Wilhelms Universität. Irgendwann zwischen 1812 und 1829 hatte er seinen Nachnamen geändert, denn im Studierendenverzeichnis wurde er als »Mecklenburg, J. M.« mit der Anschrift Klostergasse 49 geführt.6J. F. A. Wernicke: Verzeichniß der Studirenden auf der Königl. Friedrich-Wilhelms Universität zu Berlin auf das halbe Jahr von Ostern bis Michaelis 1829. Berlin 1829, S. 21. Das »M.« des zweiten Vornamens stand für den Vaternamen Moses und bedeutete eine Reminiszenz ans Judentum, in dem Patronyme traditionell von Bedeutung waren.

Im Juli 1833 schloss Mecklenburg das Studium mit einer Dissertation über die Wirkung von Metalloiden auf den menschlichen Organismus ab.7Mecklenburg: Sciagraphia Metalloidum …, a. a. O. Die gedruckte Ausgabe beinhaltet auch eine »Vita« in lateinischer Sprache, die ins Deutsche übersetzt wie folgt beginnt:

Ich wurde als Jakob Mos. Mecklenburg, ein Anhänger des alten Glaubens, in der Stadt Friedland, Märkisch genannt, im Jahr 1808 als Sohn der besten und geliebtesten Eltern, Vater Moses Mecklenburg und Mutter Wilhelma aus dem Geschlecht Levinstein, geboren, die durch göttliche Gnade noch heute leben und die ich mit frommem und dankbarem Herzen verehre.«8Ebenda, S. 33. – Übersetzung von mir.

Neben dem falschen Geburtsjahr fällt in diesem Zitat auch der Vorname der Mutter ins Auge: Im Prozess der Assimilation war aus der hebräischen Mindel zwischenzeitlich eine preußische Wilhelma geworden. Mit der Germanisierung ging der Wortsinn verloren. Während Mindel Ruhe oder Frieden bedeutet, meint Wilhelma eine kraftvolle Beschützerin (ihrer Sippe). Ob die Eltern zu dieser Zeit immer noch in Märkisch Friedland lebten, dessen jüdische Bevölkerung zwischen 1807 und 1837 um mehr als ein Drittel zurückging, ist nicht bekannt.9Im Jahr 1837 umfasste die Gemeinde nur noch 730 Köpfe. M. Aschkewitz: Zur Geschichte der Juden in Westpreußen, Marburg/Lahn 1967, S. 28.

Titelseite der Dissertation Mecklenburgs aus dem Jahr 1833.

Im weiteren Verlauf der Vita dankte Mecklenburg den Lehrern, die seinen bisherigen Bildungsweg begleitet hatte. In Märkisch Friedland waren das Rektor Dessau, Konrektor Friedländer, Subrektor Cohn und Kantor Bottky; in Berlin der Rektor des Grauen Klosters Johann Joachim Bellermann (1754-1842), der Rektor der Universität Clemens August Carl Klenze (1795-1838) und der Dekan der medizinischen Klinik Ernst Daniel August Bartels (1778-1838).10Ebenda. Mecklenburg schreibt statt den Namen des Kantors »Bodky«. Zu den Professoren, deren Vorlesungen Mecklenburg würdigte, gehörte neben dem Anatom Johannes Peter Müller (1801-1858), dem Chemiker Eilhard Mitscherlich (1794-1863) und dem Chirurg Johann Friedrich Dieffenbach (1792-1847) auch der ebenfalls in Märkisch Friedland geborene Botaniker und Pharmakologe Philipp Phoebus (1804-1880). Mecklenburg schloss die Vita mit der Hoffnung, nach Dissertation und Verteidigung der Thesen »die höchste Auszeichnung in beiden medizinischen Fächern« verliehen zu bekommen. Diese Hoffnung ging in Erfüllung: Die Universität Berlin sprach ihm im gleichen Jahr den Doktortitel der Medizin und der Chirurgie zu.11A. C. P. Callisen: Medicinisches Schriftsteller-Lexicon der jetzt lebenden Verfasser, Nachtrag, Bd. 30, Len-M., Kopenhagen 1848, S. 308.

Im Jahr 1835 veröffentlichte Mecklenburg zusammen mit dem Apotheker Jacob Franz Simon im Berliner Verlag von August Hirschwald das Lehrbuch »Grundzüge der Chemie in Tabellenform«, das in den zeitgenössischen Rezensionen ein gemischtes Urteil fand. Während die Jahrbücher der in- und ausländischen gesammten Medicin dem Buch »Nachlässigkeiten im Ausdrucke, Unvollständigkeit in der Behandlung aller einzelnen Rubriken, ja selbst Fehler« vorwarfen,12F. Meurer: Grundzüge der Chemie in Tabellen-Form [Rezension].In: Jahrbücher der in- und ausländischen gesammten Medicin [Hrsg. C. C. Schmidt], Band X, Nr. 3, Leipzig 1836, S. 329. würdigte der Rezensent der Zeitschrift Isis das Buch als »passend eingerichtet«13Anonym: Grundzüge der Chemie [Rezension]. In: Isis. Enzyklopädische Zeitung, Heft 6, Leipzig, Juni 1835, Spalte 489. und der Kritiker des Repertoriums für die Pharmacie wertete es als »sehr empfehlenswert, um dem Gedächtnisse zur Hülfe zu kommen«.14Anonym: Grundzüge der Chemie in Tabellen-Form (Rezension). In: Repertorium für Pharmacie [Hrsg. Dr. Buchner], 53. Band, Nürnberg 1835, S. 261. In der Vorrede zum Werk hieß es, Mecklenburg habe lediglich die Seiten 1 bis 93 von insgesamt 150 bearbeitet, weil er dann »durch die plötzliche Verlegung seines Wirkungskreises aus Berlin nach seinem gegenwärtigen Wohnorte (Schloppe in Westpreussen) und durch überhäufte ärztliche Berufsthätigkeit daselbst an der Fortsetzung gehindert« worden sei.15J. M. Mecklenburg, J. F. Simon: Grundzüge der Chemie in Tabellenform, Berlin 1835, S. Ⅴ.

Titelseite des Lehrbuchs, das Mecklenburg zusammen mit dem Apotheker Simon 1835 veröffentlichte.

Im kleinen Städtchen Schloppe, das 1834 lediglich 1492 Einwohner zählte,16J. C. Müller, Vollständiges geographisch-statistisch-topographisches Wörterbuch des preußischen Staates, Bd. 4, Erfurt 1836, S. 109. verlobte sich Mecklenburg am 27. Okober 1835 mit Auguste Friedemann, der einzigen Tochter des Kaufmanns Mendel Friedemann aus Schönfließ in der Neumark [heute Trzcińsko-Zdrój].17Verlobungsanzeige. In: Berlinische Nachrichten von Staats- und Gelehrten Sachen, Nr. 268, Berlin, 16. November 1835, S. [12]. – Zu Mendel Friedemann (* 10.01.1774) siehe das Bürgerbuch der Stadt Schönfließ, Bd. 2, 1810-1837, im Brandenburgischen Landeshauptarchiv, Potsdam. Am 9. Juli 1837 wurde dem Ehepaar eine Tochter geboren und Clara benannt.18Geburtsbescheinigung des Magistrats in Schloppe vom 7. Juni 1850. In: Urząd Stanu Cywilnego w Wałczu: Wstȩpne akta małżeństw poniemieckie (1883), In: Archiwum Państwowe w Koszalinie Oddział w Szczecinku, Signatur: 28/227/0/003, Blatt 196 Vorderseite. In Schloppe führte Mecklenburg eine Praxis als Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer, der er im August 1840 eine Wasserheilanstalt hinzufügte. In dieser war »für Wohnung und Beköstigung zu billigen Preisen gesorgt«, während die Kranken sich in einer »günstigen Lokalität, Berg- und Thalgegend« zu Heilung eines »großen Reichtums des trefflichsten Wassers« bedienen konnten. Für Damen war eine spezielle »Douche mit Brause- und anderen nöthigen Apparaten vorhanden«.19J. M. Mecklenburg: Wasserheilanstalt in Schloppe [Inserat]. In: Öffentlicher Anzeiger, Beilage des Amtsblatts Nr. 34, Marienwerder, 21. August 1840, S. 265. Im Jahr darauf berichtete die Berliner medicinische Central-Zeitung über die Einrichtung:

Die geräuschlos im vorig[en] Jahre von unserem Arzte Dr. Mecklenburg ins Leben gerufene Wasserheilanstalt hat ihre Wirkung bei verschied[enen] Krankheitsformen der Art bewährt, dass sich Patienten aus der umliegenden Gegend in diesem Frühjahre schon früh eingestellt haben. In diesem Augenblicke befinden sich, abgesehen der Einheimische, 5 Auswärtige hier u[nd] mehrere sind für den nächsten Monat angekündigt.«20Anonym: Inland. Schloppe. In: Berliner Medicinische Central-Zeitung [Hrsg. J. J. Sachs], X. Jahrgang, Nr. 21, Berlin 21. Mai 1841, Spalte 411.

Auch als Arzt scheint Mecklenburg beliebt und erfolgreich gewesen zu sein – darauf deutet jedenfalls eine »Danksagung« hin, die der Freischulze August Schröder aus Trebbin [heute Trzebin] am 17. Oktober 1846 in das Wochenblatt Stadt- und Landbote einrücken ließ:

Dem Herrn Dr. Mecklenburg zu Schloppe fühle ich mich verpflichtet, für die mit Gewandtheit, Mühe und rastloser Thätigkeit in dem kurzen Zeitraume von 3 Wochen bewirkte gänzliche Wiederherstellung von einer lebensgefährlichen Krankheit (Lungenentzündung und Nervenfieber) meinen innigsten Dank hiermit öffentlichen abzustatten […].«21Danksagung. In: Der Stadt- und Land-Bote zunächst für die Kreise Dt. Crone, Chodziesen, Czarnikau und Flatow, 4. Jahrgang, Nr. 42, Deutsch Krone, 17. Oktober 1846, [S. 4].

Im Sommer 1847 wurde der Physikus des Kreises Deutsch Krone, Sanitätsrat Dr. Filehne, nach Erfurt versetzt. Die Stelle des Amtsarztes, deren Jahresgehalt sich auf 200 Taler belief, war damit frei und wurde am 30. August 1847 von der Regierung in Marienwerder zur Bewer­bung ausgeschrieben.22Amts-Blatt der Königl. Preuss. Regierung zu Frankfurt an der Oder, Nr. 37 vom 15. September 1847, S. 283. Am 16. Februar 1848 verkündete das Amts-Blatt der Regierung, dass das »vacant gewordene Physikat des Dt. Croner Kreises […] dem Dr. med. et. chirurg. Carl Jacob Meklenburg verliehen« worden sei.23Amts-Blatt der Königl. Preußischen Regierung zu Marienwerder, Nr. 7 vom 16. Februar 1848, S. 28. Der fehlende Buchstabe »c« bei der Angabe des Nachnamens mag ein Druckfehler gewesen sein; der neue Vorname »Carl« implizierte aber, dass Mecklenburg inzwischen zur evangelischen Konfession konvertiert war. Solche Konversionen, vorrangig zum Protestantismus, waren im damaligen Preußen keine Seltenheit und kamen jährlich in etwa hundert Fällen vor.24A. Frantz: Handbuch der Statistik, Breslau 1864, S. 184. Sie fanden ihre Begründung meist darin, dass Juden bis zum Erlass des »Gesetzes über die Verhältnisse der Juden« im Juli 1847 von allen Staatsämtern – auch vom Pysikat – ausgeschlossen waren und auch nachher noch zahlreichen Einschränkungen unterlagen.25Siehe dazu M. Richarz: Der Eintritt der Juden in die Akademischen Berufe, Tübingen 1974, S. 177.

Die Unterschrift aus dem Jahr 1847 zeigt, dass auch die Namensvariante Meklenburg noch gebräuchlich war.

Mecklenburg hatte den Umzug in die Kreisstadt – die damals etwa 4200 Einwohner zählte –26Z. Boras, A. Wedzki, R. Walcak: Historia powiatu wałeckiego w zarysie. Poznań 1961, S. 235. bereits am 12. Februar 1848 durch ein Inserat im Stadt- und Landboten kommuniziert, in dem es hieß:

Unterzeichneter wohnt jetzt in Dt. Crone, in der Waldemarstraße unweit dem Königlichen Gerichtsgebäude.«27Anzeige vom 9. Februar 1848. In: Der Stadt- und Land-Bote zunächst für die Kreise Dt. Crone, Chodziesen, Czarnikau und Flatow, 6. Jahrgang, Nr. 7, Deutsch Krone, 12. Februar 1848, [S. 4].

Wie beliebt der Mediziner in Schloppe gewesen war, verrieten mehrere Abschiedsgrüße, die in derselben und in den nachfolgenden Ausgaben des Wochenblatts erschienen. Unter dem Titel »Nachruf« wurde ihm »im Namen und Auftrage der Umgegend von Schloppe« ein lyrisches Gedicht gewidmet, in dem der anonyme Verfasser »dem Lebensretter« versprach:

Lange wird Ihr Angedenken leben / Edler Mann! in unsern Herzen fort.«28Nachruf. In: Der Stadt- und Land-Bote … ebenda.

Ein zweites Gedicht appellierte an die Bürger der Kreisstadt:

Lieb’ Ihn, Crone! so wie wir Ihn lieben, / Ehr’ Ihn so, wie er hier bleibt geehrt.«29Eingesandt aus Schloppe. In: Der Stadt- und Land-Bote zunächst für die Kreise Dt. Crone, Chodziesen, Czarnikau und Flatow, 6. Jahrgang, Nr. 8, Deutsch Krone, 19. Februar 1848, [S. 4].

Der Magistrat und die Stadtverordneten von Schloppe lobten Mecklenburgs »Milde gegen die Armen unserer Stadt« und äußerten ihr »Bedauern, ihn von uns scheiden zu sehen«.30Anzeige. In: Der Stadt- und Land-Bote zunächst für die Kreise Dt. Crone, Chodziesen, Czarnikau und Flatow, 6. Jahrgang, Nr. 11, Deutsch Krone, 11. März 1848, [S. 4]. Im Namen der israelitischen Gemeinde bedankte sich deren Vorstand – bestehend aus M. Alexander und Friedländer – für die »erfolgreiche Wirkung«, die Mecklenburg in »einem Zeitraume von vierzehn Jahren« hatte:

Er war seinen Kranken nicht nur Arzt, sondern ein theilnehmender Freund. Mit seinem Abgange als Kreisphysikus nach Dt. Crone verlieren wir alle in ihm den rettenden Arzt und besonders unsere Armen den helfenden Beistand in den doppelt trüben Tagen der Krankheit.«31Anzeige. Ebenda.

Vor der Berufung zum Kreisphysikus hatte Mecklenburg eine besondere Staatsprüfung und einen Amtseid ablegen müssen.32L. von Rönne, H. Simon: Das Medicinal-Wesen des Preußischen Staates, Teil 1, Breslau 1844, S. 118 u. 119. Er war in seinem Amt unmittelbar der königlichen Regierung in Marienwerder unterstellt und nicht etwa dem Landrat, mit dem er allerdings eng zusammenarbeiten sollte.33A. a. O., S. 121. Als oberster Medizinalbeamter im Kreis verantwortete er den allgemeinen Gesundheitszustand und die Einhaltung der Medizinalgesetze; zu seinen vielfältigen Aufgaben gehörten die Abwehr von Epidemien und Viehseuchen, die Aufsicht über die medi­zinische Betreuung der Armen sowie die Kontrolle der niedergelassenen Ärzte, Hebammen und Apotheker.34Siehe dazu den Wortlaut der Bestallung in a. a. O., S. 119. Er fungierte als gerichtsmedizinischer Gutachter bei Geisteskrankheiten und ungeklärten Todesfällen,35Ebenda. überwachte das Impfwesen und war verpflichtet, jährlich »einen Generalbericht über das öffentliche Gesundheitswesen« an den Regierungs-Präsidenten einzureichen.36Ministerial-Verfügung vom 23. Mai 1846. Zitiert nach: I. Schlockow: Der preussische Physikus, Band 2, Berlin 1886, S 31. War vor Ort kein Militärarzt anwesend, gehörte auch die Musterung der wehrpflichtigen Kantonisten zu seinen Pflichten.37R. L. Wollenhaupt: Die Beurtheilung der Militärsanität oder Militärrüstigkeit für das Königlich Preußische Heer, Nordhausen 1861, S. 46.

Wie schon das recht niedrige Jahresgehalt von 200 Talern zeigt, war das Physikat trotz der Aufgabenfülle nicht als Vollerwerb gedacht. Es wurde ganz selbstverständlich vorausgesetzt, dass der Physikus zusätzlich eine normale ärztliche Praxis führte und diese wesentlich zu seinem Einkommen beitrug.38von Rönne, Simon: Das Medicinal-Wesen …, a. a. O., S. 124. Dass auch Mecklenburg in Deutsch Krone eine Arztpraxis führte, geht aus einer Anzeige hervor, mit der er im Juli 1848 einen Umzug kommunizierte:

Ich wohne jetzt in der Königstraße neben dem Deutschen Hause, und bin, da die Impfung beinah, das Canton-Geschäft gänzlich beendet ist, mit ziemlicher Gewißheit täglich zu Hause anzutreffen.«39Anzeige. In: Der Stadt- und Land-Bote zunächst für die Kreise Dt. Crone, Chodziesen, Czarnikau und Flatow, 6. Jahrgang, Nr. 30, Deutsch Krone, 22. Juli 1848, [S. 4].

Teil der Privatpraxis war wohl auch das »Kaltwasserbad nebst Douche und Brause«, das Mecklenburg nach Schlopper Vorbild zum 1. Juni 1850 am Stadtsee in Deutsch Krone einrichtete. Es mag sein, dass dieses Bad der Vorläufer der späterhin so beliebten städtischen Badeanstalt war. Zu den Nutzungsbedingungen des Bads teilte Mecklenburg im Stadt- und Landboten mit:

Ich werde vorläufig den Vormittag für Damen, den Nachmittag für Herren zum Baden und den Preis nachfolgend bestimmen: für die Familie Badezeit hindurch (incl. Douche u. Brause) 3 rth; für einen Monat 1 rth 15 sgr; für eine Person die Badezeit hindurch 2 rth, für einen Monat 1 rth, für ein einzelnes Bad 2½ sgr. — Ich bitte diejenigen, die zu abonniren geneigt sind, sich baldigst bei mir zu melden, damit ich die Badezeit ordnen und vielleicht noch einige Badezellen einrichten kann.«40Anzeige. In: Der Stadt- und Land-Bote zunächst für die Kreise Dt. Crone, Chodziesen, Czarnikau und Flatow, 8. Jahrgang, Nr. 21, Deutsch Krone, 25. Mai 1850, [S. 4].

Ab dem Dezember 1848 war Mecklenburg in seiner neuen amtsärztlichen Stellung besonders gefordert, weil kurz vor Weihnachten im Kreis eine Cholera-Epidemie ausbrach, der schon bis zum 29. Dezember 19 Einwohner der Kreisstadt erlagen.41Meldung ohne Titel. In: Der Stadt- und Land-Bote zunächst für die Kreise Dt. Crone, Chodziesen, Czarnikau und Flatow, 6. Jahrgang, Nr. 52, Deutsch Krone, 23. Dezember 1848, [S. 4]. Mecklenburg kannte die Krankheit bereits aus Schloppe, wo er ein erstes Aufflackern im Jahr 1837 erlebt hatte.42Dr. Mecklenburg: Die Wasserkur gegen die Krankheiten der Säufer. In: Medicinische Zeitung, 21. Jahrgang, Nr. 40, Berlin, 6.10.1852, S. 191-192. Heute ist allgemein bekannt, dass Cholera hauptsächlich über bakteriell verunreinigtes Trinkwasser übertragen wird, aber damals war die Ursache der Krankheit, die Westpreußen erstmals 1831 heimsuchte, unbekannt. Als Auslöser wurden meist Miasmen in der Luft vermutet, deren Weiterverbreitung man durch weiträumige Absperrungen einzudämmen versuchte.43U. Atzerodt: Allopathie und Homöopathie in der Cholerabehandlung, Dresden 1893, S. 3.

Anmerkungen

  • 1
    F. W. F. Schmitt: Geschichte des Deutsch-Croner Kreises, Thorn 1867, S. 159.
  • 2
    General-Tabelle der sämtlichen in der Stadt M. Friedland befindlichen Juden Seelen pro Anno 1807. In: Jüdische Gemeinde Märkisch Friedland: Generaltabelle der Judenfamilien 1799-1810, LDS-Filme 7990054 (rechte Seiten) u. 7990055 (linke Seiten), verfilmt im Bundesarchiv Koblenz 1958, https://www.familysearch.org/de/search/film/007990054?i=0 bzw. https://www.familysearch.org/de/search/film/007990055?i=0, S. 429, 430 u. 455, besucht am 31.01.2026. – Im Jahr 1802 wurden in Märkisch Friedland insgesamt 1918 Einwohner gezählt – mehr als die Hälfte der Einwohnerschaft war also jüdisch. L. Krug: Betrachtungen über den National-Reichthum des preußischen Staats, und über den Wohlstand seiner Bewohner, Band 2, Berlin 1805, S. 69.
  • 3
    Preuß. Regierung Marienwerder: General-Verzeichniß sämmtlicher in dem Departement der Königl. Regierung von Westpreußen vorhandenen Juden welchen das Staatsbürger-Recht ertheilet worden, Marienwerder o. J. [1812], S. 53.
  • 4
    B. Lindenberg: Geschichte der israelitischen Schule zu Märkisch Friedland, Märkisch Friedland 1855, S. 22 u. 324.
  • 5
    J. M. Mecklenburg: Sciagraphia metalloidum officinalium una cum expositione effectuum quos exserunt in organismum humanum. Dissertatio inauguralis medico-chemica, Berlin 1833, S. 33.
  • 6
    J. F. A. Wernicke: Verzeichniß der Studirenden auf der Königl. Friedrich-Wilhelms Universität zu Berlin auf das halbe Jahr von Ostern bis Michaelis 1829. Berlin 1829, S. 21.
  • 7
    Mecklenburg: Sciagraphia Metalloidum …, a. a. O.
  • 8
    Ebenda, S. 33. – Übersetzung von mir.
  • 9
    Im Jahr 1837 umfasste die Gemeinde nur noch 730 Köpfe. M. Aschkewitz: Zur Geschichte der Juden in Westpreußen, Marburg/Lahn 1967, S. 28.
  • 10
    Ebenda. Mecklenburg schreibt statt den Namen des Kantors »Bodky«.
  • 11
    A. C. P. Callisen: Medicinisches Schriftsteller-Lexicon der jetzt lebenden Verfasser, Nachtrag, Bd. 30, Len-M., Kopenhagen 1848, S. 308.
  • 12
    F. Meurer: Grundzüge der Chemie in Tabellen-Form [Rezension].In: Jahrbücher der in- und ausländischen gesammten Medicin [Hrsg. C. C. Schmidt], Band X, Nr. 3, Leipzig 1836, S. 329.
  • 13
    Anonym: Grundzüge der Chemie [Rezension]. In: Isis. Enzyklopädische Zeitung, Heft 6, Leipzig, Juni 1835, Spalte 489.
  • 14
    Anonym: Grundzüge der Chemie in Tabellen-Form (Rezension). In: Repertorium für Pharmacie [Hrsg. Dr. Buchner], 53. Band, Nürnberg 1835, S. 261.
  • 15
    J. M. Mecklenburg, J. F. Simon: Grundzüge der Chemie in Tabellenform, Berlin 1835, S. Ⅴ.
  • 16
    J. C. Müller, Vollständiges geographisch-statistisch-topographisches Wörterbuch des preußischen Staates, Bd. 4, Erfurt 1836, S. 109.
  • 17
    Verlobungsanzeige. In: Berlinische Nachrichten von Staats- und Gelehrten Sachen, Nr. 268, Berlin, 16. November 1835, S. [12]. – Zu Mendel Friedemann (* 10.01.1774) siehe das Bürgerbuch der Stadt Schönfließ, Bd. 2, 1810-1837, im Brandenburgischen Landeshauptarchiv, Potsdam.
  • 18
    Geburtsbescheinigung des Magistrats in Schloppe vom 7. Juni 1850. In: Urząd Stanu Cywilnego w Wałczu: Wstȩpne akta małżeństw poniemieckie (1883), In: Archiwum Państwowe w Koszalinie Oddział w Szczecinku, Signatur: 28/227/0/003, Blatt 196 Vorderseite.
  • 19
    J. M. Mecklenburg: Wasserheilanstalt in Schloppe [Inserat]. In: Öffentlicher Anzeiger, Beilage des Amtsblatts Nr. 34, Marienwerder, 21. August 1840, S. 265.
  • 20
    Anonym: Inland. Schloppe. In: Berliner Medicinische Central-Zeitung [Hrsg. J. J. Sachs], X. Jahrgang, Nr. 21, Berlin 21. Mai 1841, Spalte 411.
  • 21
    Danksagung. In: Der Stadt- und Land-Bote zunächst für die Kreise Dt. Crone, Chodziesen, Czarnikau und Flatow, 4. Jahrgang, Nr. 42, Deutsch Krone, 17. Oktober 1846, [S. 4].
  • 22
    Amts-Blatt der Königl. Preuss. Regierung zu Frankfurt an der Oder, Nr. 37 vom 15. September 1847, S. 283.
  • 23
    Amts-Blatt der Königl. Preußischen Regierung zu Marienwerder, Nr. 7 vom 16. Februar 1848, S. 28.
  • 24
    A. Frantz: Handbuch der Statistik, Breslau 1864, S. 184.
  • 25
    Siehe dazu M. Richarz: Der Eintritt der Juden in die Akademischen Berufe, Tübingen 1974, S. 177.
  • 26
    Z. Boras, A. Wedzki, R. Walcak: Historia powiatu wałeckiego w zarysie. Poznań 1961, S. 235.
  • 27
    Anzeige vom 9. Februar 1848. In: Der Stadt- und Land-Bote zunächst für die Kreise Dt. Crone, Chodziesen, Czarnikau und Flatow, 6. Jahrgang, Nr. 7, Deutsch Krone, 12. Februar 1848, [S. 4].
  • 28
    Nachruf. In: Der Stadt- und Land-Bote … ebenda.
  • 29
    Eingesandt aus Schloppe. In: Der Stadt- und Land-Bote zunächst für die Kreise Dt. Crone, Chodziesen, Czarnikau und Flatow, 6. Jahrgang, Nr. 8, Deutsch Krone, 19. Februar 1848, [S. 4].
  • 30
    Anzeige. In: Der Stadt- und Land-Bote zunächst für die Kreise Dt. Crone, Chodziesen, Czarnikau und Flatow, 6. Jahrgang, Nr. 11, Deutsch Krone, 11. März 1848, [S. 4].
  • 31
    Anzeige. Ebenda.
  • 32
    L. von Rönne, H. Simon: Das Medicinal-Wesen des Preußischen Staates, Teil 1, Breslau 1844, S. 118 u. 119.
  • 33
    A. a. O., S. 121.
  • 34
    Siehe dazu den Wortlaut der Bestallung in a. a. O., S. 119.
  • 35
    Ebenda.
  • 36
    Ministerial-Verfügung vom 23. Mai 1846. Zitiert nach: I. Schlockow: Der preussische Physikus, Band 2, Berlin 1886, S 31.
  • 37
    R. L. Wollenhaupt: Die Beurtheilung der Militärsanität oder Militärrüstigkeit für das Königlich Preußische Heer, Nordhausen 1861, S. 46.
  • 38
    von Rönne, Simon: Das Medicinal-Wesen …, a. a. O., S. 124.
  • 39
    Anzeige. In: Der Stadt- und Land-Bote zunächst für die Kreise Dt. Crone, Chodziesen, Czarnikau und Flatow, 6. Jahrgang, Nr. 30, Deutsch Krone, 22. Juli 1848, [S. 4].
  • 40
    Anzeige. In: Der Stadt- und Land-Bote zunächst für die Kreise Dt. Crone, Chodziesen, Czarnikau und Flatow, 8. Jahrgang, Nr. 21, Deutsch Krone, 25. Mai 1850, [S. 4].
  • 41
    Meldung ohne Titel. In: Der Stadt- und Land-Bote zunächst für die Kreise Dt. Crone, Chodziesen, Czarnikau und Flatow, 6. Jahrgang, Nr. 52, Deutsch Krone, 23. Dezember 1848, [S. 4].
  • 42
    Dr. Mecklenburg: Die Wasserkur gegen die Krankheiten der Säufer. In: Medicinische Zeitung, 21. Jahrgang, Nr. 40, Berlin, 6.10.1852, S. 191-192.
  • 43
    U. Atzerodt: Allopathie und Homöopathie in der Cholerabehandlung, Dresden 1893, S. 3.

Ausflug nach Märkisch Friedland 1931

Auf den Spuren der jüdischen Gemeinde

Foto von Jacob Jacobson

Im Frühjahr 1931 unternahm der Historiker, Archivar und Genealoge Jacob Jacobson (1888-1968) im Auftrag des zionistischen Familienblatts »Menorah« einen Ausflug in die preußische Provinz.1J. Jacobson: Fahrt in die Provinz. In: Menorah. Jüdisches Familienblatt für Wissenschaft, Kunst und Literatur, 9. Jahrgang, Nr. 5/6, Wien, Berlin, Mai/Juni 1931, S. 232-241. Reiseziele waren die drei Kleinstädte Lippehne, Arnswalde und Märkisch Friedland, die aus unterschiedlichen Gründen für das jüdische Leben von Bedeutung waren. Dazu heißt es bei Jacobson:

Hier erwuchs eine Eigenart und Formung des Lebens und jene Kraft, die dann außerhalb der Heimat sich bewährte. Hier war, mochte auch die Hülle noch so wenig ansprechend sein, das zu Hause, was wir jüdische Kultur nennen dürfen.2Jacobson: Fahrt …, a. a. O., S. 235.

Weiterlesen →

Anmerkungen

  • 1
    J. Jacobson: Fahrt in die Provinz. In: Menorah. Jüdisches Familienblatt für Wissenschaft, Kunst und Literatur, 9. Jahrgang, Nr. 5/6, Wien, Berlin, Mai/Juni 1931, S. 232-241.
  • 2
    Jacobson: Fahrt …, a. a. O., S. 235.

Garms, Borkowski und die anderen

Titelseite der Deutsch Kroner Kreiszeitung

Teil ❸ ▶︎ Bücher und Zeitungen prägten im 19. und 20. Jahrhundert auch im Kreis Deutsch Krone das gesellschaftliche Leben. Der folgende Aufsatz, der zuerst 2025 in polnischer Sprache in den »Wałeckie Zeszyty Muzealne« (Band 3) erschien, berichtet von den Buchhändlern, Buchdruckern und Buch- und Zeitungsverlegern, die in der Stadt Deutsch Krone (heute Wałcz) wirkten und lebten. Der vorliegende dritte Teil schildert die Entwicklung bis ins Jahr 1945.

Buchhändler und Verleger in Deutsch Krone 1833-1945

V. Borkowski, Halb und Benschuweit

Ottomar Borkowski wurde am 25. November 1877 als Sohn des Steuerkontrolleurs Ernst Borkowski (geb. 1833) und dessen Ehefrau Clara geb. Dornblüht (geb. 1850) in Deutsch Krone geboren.1Urząd Stanu Cywilnego w Wałczu: Akta zbiorcze urodzen poniemieckie … a. a. O., S. 635/636. Während der Vater aus einer protestantischen Beamtenfamilie in Marienwerder stammte, war die Mutter eine Tochter des örtlichen Färbereibesitzers Carl Heinrich Dornblüth.2Siehe dazu das Aufgebot der Eltern in Urząd Stanu Cywilnego w Wałczu: Akta zbiorowe małżeństwa (1874), In: Archiwum Państwowe w Koszalinie Oddział w Szczecinku, Signatur: 28/227/0/011, S. 79-84. Über die Eltern war der Sohn also sowohl mit dem Beamten- als auch mit dem Bürgermilieu seiner Heimatstadt verbunden.

Am 27. Juli 1911 starb in Deutsch Krone Franz Garms im Alter von 71 Jahren. Das »Börsenblatt« widmete ihm einen Nachruf, in dem es hieß:

»Mit Ihm ist nicht nur ein äußerst tätiger Berufskollege aus dem Leben geschieden, sondern auch ein Mann, der sich um die Stadt und das Gemeindewesen Deutsch-Krones hervorragende Verdienste erworben hat.«3Personalnachrichten. In: Börsenblatt, Nr. 176 vom 1.08.1911, S. 8764.

Kurz vor seinem Tod hatte Franz Garms sein Unternehmen an Willi Halb aus Marienburg [heute: Malbork] verkauft, da sich im Familienkreis kein Nachfolger fand. Die Thorner »Presse« berichtete:

»Die 72 Jahre hier bestehende P. Garms’sche Buchdruckerei mit dem Verlage der »Dt.-Kroner Zeitung«, die im Jahre 1877 von Franz Garms begründet wurde […] ist in den Besitz des Herrn W . Halb aus Marienburg, Sohn des Buchdruckereibesitzers Stadtrats Halb dortselbst, übergegangen und von diesem am 1. April übernommen worden.«4Besitzwechsel. In: Die Presse. Ostmärkische Tageszeitung, 29. Jahrgang, Nr. 81, Thorn, 5.04.1911, S. [2].

Der Druckereibesitzer Otto Halb besaß in Marienburg die »Marienburger Zeitung«, die im Jahr 1905 eine Auflage von 3100 Exemplaren erreichte.5H. O. Sperling: Zeitschriften-Adressbuch, 43. Ausgabe, Stuttgart 1906, S. 284. Bei seinem Sohn Willi Halb (1885-1961) stand die Zeitung ebenfalls im Mittelpunkt des Interesses: Schon bald ließ er die »Deutsch Kroner Zeitung« (nun ohne Bindestrich) sechs Mal in der Woche erscheinen und erhöhte ihre Auflage auf 3000 Exemplare.6Zeitungs-Katalog, Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, 46. Auflage, Berlin 1913, S. 44.

Im September 1914 – also kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs – verkaufte auch Otto Brümmer seine Buchhandlung und eröffnete ein neues Geschäft in Berlin-Neukölln.7Anzeige. In: Börsenblatt, Nr. 214 v. 15.09.1914, S. 7228. Sein Nachfolger in Deutsch Krone war der Buchbindermeister Hermann Benschuweit, der aus Popelken bei Mehlauken [heute: Wyssokoje in der Oblast Kaliningrad] stammte.8Konkurse. In: Allgemeiner Anzeiger für Buchbindereien, 21. Jahrgang, Nr. 44, Stuttgart, 2.11.1906, S. 549. Innerhalb von vier Jahren hatten damit drei der vier Buchhandelsgeschäfte der Stadt die Besitzer gewechselt, was gewiss auch mit der schwierigen Konkurrenzsituation zusammenhing.

Diese Ansichtskarte aus der Sammlung von Witold Lewandowski zeigt die Lage von Brümmers Buchhandlung auf der Königstraße.

Nach dem Ende des Weltkriegs, in dem Ottomar Borkowski vom Oktober 1917 an als Soldat diente,9Mitteilung. In: Börsenblatt, Nr. 265 vom 13.11.1917, S. 7371. kam es in Deutsch Krone zu einer Konsolidierung des Buch- und Verlagswesens. Bereits im Februar 1919 kündigte Willi Halb mit einer Anzeige im »Börsenblatt« den Rückzug der Firma P. Garms aus dem »Geschäftszweig Buchhandel« zum 31. März 1919 an.10Mitteilung. In: Börsenblatt, Nr. 51 vom 18. März 1919. Im Jahr 1920 übergab Emil Schultz sein Unternehmen an den Sohn Paul (1883-1970), der wenig später den »Deutsch Kroner Stadt-und Landboten« an die katholische Zentrumspartei veräußerte und den eigenen Betrieb auf die Druckerei konzentrierte.11Familiennachrichten. In: Deutsch Kroner und Schneidemühler Heimatbrief, 8. Jahrgang, Nr. 12, Hannover, Dezember 1958, S. 14. – Die Zentrumspartei führte die Zeitung unter dem Titel »Die Grenzwacht« weiter. In der Stadt blieben lediglich die Buchhandlungen von Benschuweit und Borkowski bestehen, wobei sich erstere mehr und mehr der Buchbinderei und dem Papierhandel zuwandte. Auf diesem Geschäftsfeld blieb Hermann Benschuweit, der seinen Hauptsitz inzwischen in der Königstraße 109 hatte,12Eine zweite Filiale führte Benschuweit auf der Gymasialstraße 6 hinter dem Rathaus. C. F. Müller: Adressbuch des deutschen Buchhandels und verwandter Berufszweige, 26. Jahrgang, Leipzig 1921, S. 70. freilich eine wichtige Adresse, wie sich der Bauschüler Willy Schwencke im August 1976 erinnerte:

»Zurück aber zur Königsstraße. Wie eine Lebensader zog sie sich unendlich lang und fast gradlinig durch die ganze Stadt. Hier spielte sich in der Hauptsache das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben ab. […] Natürlich hatte dieser Straßenzug für uns Bauschüler auch sonst seine besondere Bedeutung. An ihm lagen der Mittagstisch Rump und weitere unentbehrliche Versorgungsbetriebe wie die Schlachtereien Busch und Koepp, die Bäckereien Haedtke und Loerzer, die Lieferanten der Lehrmittel und des technischen Bedarfs, die Firmen Halb und Benschuweit.«13W. Schwencke: Erinnerungen eines Bauschülers 1927-1931. In: Deutsch Kroner und Schneidemühler Heimatbrief, 26. Jahrgang, Nr. 8, Hannover im August 1976, S. 13.

Auch wenn sich Benschuweits Buchhandlung bis 1933 in den offiziellen Adressbüchern findet,14Adressbuch des Deutschen Buchhandels, 95. Jahrgang, 3. Abteilung, Leipzig 1933, S. 39. entwickelte sich Ottomar Borkowski nach 1920 unbestreitbar zum führenden Buchhändler der Stadt. Dabei kam der Ausfall der Konkurrenz für ihn selbst offenbar überraschend: Hatte er noch 1919 per Inserat nach einer gebrauchten »Leihbibliothek mit 500 Bänden«15Anzeige. In: Börsenblatt, Nr. 91 v. 8.05.1919, S. [A] 3757. gesucht, bewarb er im Jahr 1927 voll Selbstvertrauen sein »reichhaltiges, großes und modernes Bücherlager«16Anzeige. In: Heimatkalender für den Kreis Deutsch Krone 1927 [Hrsg. vom Kreisausschuss], 15. Jahrgang, Deutsch Krone [1926], S. 118. Dort auch das nächste Zitat. und versprach, alle Bestellungen »aufs schnellste und sorgfältigste« auszuführen. Borkowskis Geschäft befand sich nun im oberen Teil der Königstraße nahe dem Poetensteig und dem Gymnasium. Nach der Neunummerierung Ende der 1920er Jahre lautete seine Anschrift Königstraße 48;17Geschäftsübernahme. In: Börsenblatt, Nr. 45 vom 10.06.1944, S. 416 im Anzeigenteil. zwischen der Buchhandlung und dem Verlag der »Deutsch Kroner Zeitung« – dieser trug nun die Hausnummer 5218Akta miasta Wałcza: Gebäulichkeiten Garms-Halb, Königstrasse 52 (1883-1935). In: Archiwum Państwowe w Koszalinie, Signatur 26/84/0/1/177, Titel. – lag lediglich das renomierte Bekleidungshaus »Egtermeyer & Rumöller«.

Werbeanzeige der Buchhandlung Borkowskis, 1930er Jahre.

Der unverheiratete Borkowski war ein engagierter und leidenschaftlicher Buchhändler, der auch außerhalb seiner Heimatstadt einen guten Ruf genoss. Er nutzte moderne Werbematerialien, beteiligte sich an der Verbandsarbeit, bezog im »Börsenblatt« Stellung zu aktuellen Themen19Beispielsweise: Ein klassisches Beispiel! In: Börsenblatt, Nr. 70 vom 23.03.1922, S. [R] 376. und unterstützte junge Menschen beim Einstieg in den Beruf.20Siehe dazu seine Anzeigen in Börsenblatt, Nr. 58 vom 9.03.1923, S. 2079 und Nr. 87 vom 16.04.1931, S. 2495. Nach 1919 schloss er sich dem Pommerschen Buchhändlerverband an, in dem der Ostmarken-Verleger Oskar Eulitz (1865-1935) eine führende Rolle spielte.21Verband der Kreis- und Ortsvereine im deutschen Buchhandel. In: Börsenblatt, Nr. 269 v. 18.11.1922, S. [R] 1616. Von den Behörden aus dem jetzt polnischen Lissa/Leszno ausgewiesen, hatte sich Eulitz in Stolp [heute: Słupsk] niedergelassen, von wo aus er den revanchistischen »Deutschen Ostbund« unterstützte.22O. Eulitz: Literatur über die deutsche Ostmark. In: Börsenblatt, Nr. 276 v. 26.11.1925, S. 18918. Auch Borkowski, dessen Erfolgstitel um 1920 das kriegsverherrlichende Frontbuch »Der Todesrachen« von Franz Schauwecker war,23Er verkaufte 51 Exemplare des Buchs. Anzeige. In: Börsenblatt, Nr. 17 vom 22. Januar 1920, S.[A] 861. – Schauwecker lebte vor und nach dem Ersten Weltkrieg einige Jahre in Deutsch Krone. ließ keinen Zweifel daran, dass er mit seinem Geschäft eine nationale Mission verband. Er schrieb 1921:

»Ich bin persönlich stolz auf die Kulturarbeit, die ich hier in der Grenzmark dem Deutschtum leiste, und habe oft die Genugtuung, zu hören, daß meine Handlung in kultureller Hinsicht hoch einzuschätzen sei.«24Sprechsaal. In: Börsenblatt, Nr. 102 vom 3.05.1921, S. [R] 648.

Ein besonderes Ärgernis war es für Borkowski, dass in den Jahren 1919 und 1920 einige Verlage ihren Büchersendungen Ausfuhrbewilligungen nach Polen beifügten. Was wohl lediglich aus Unkenntnis über den Grenzverlauf nach Abschluss des Versailler Vertrages geschah, wurde ihm zur schwer erträglichen Provokation, über die er mehrfach Klage führte. Unter dem Titel »Deutsch Krone deutsch!« forderte er im »Börsenblatt«:

»Ich bitte doch nochmals darauf hinzuweisen, daß wir noch immer nicht zu Polen gehören und auch niemals, da wir ein vollständig national deutscher Kreis sind, dem edlen Polenreich angehören wollen. In dem letzten Zehnkilo-Paket waren nicht weniger als fünf Barpakete mit Ausfuhrbewilligungen enthalten, eine Berliner Firma hatte sogar stolz eine polnische Adresse geschrieben.«25Deutsch Krone deutsch! In: Börsenblatt, Nr. 119 vom 3.06.1920, S. [R] 564.

Im Jahr 1923 litt Borkowski unter der grassierenden Hyperinflation, die dazu führte, dass er ein Buch für 3 200 000 Mark verkaufte, dessen Preis sich bis zur Rechnungslegung durch den Großhandel auf 7 084 000 Mark erhöht hatte.26Grundzahl und Schlüsselzahl. In: Börsenblatt, Nr. 187 vom 13.08.1923, S. 1144.

Wie sehr die Buchhandlung im Mittelpunkt von Borkowskis Leben stand, verdeutlicht eine Anzeige im »Börsenblatt«, mit der er im Sommer 1925 einen »Reisegefährten für Gebirgswanderung« suchte.27W. Möller: Buch, Rundfunk und wandernde Sommerakademie. In: Börsenblatt, Nr. 168 vom 22.07.1926, S. [R] 919. Dort auch das folgende Zitat. Im Jahr darauf wanderte er mit dem Oranienburger Verlegersohn Walter Möller »über Mittenwald ins Tiroler Land hinein […] nach Salzburg« und diskutierte dabei aktuelle Probleme der Branche.

Schaplers Buchhandlung auf der Königstraße in Deutsch Krone.

Zum 50. Bestehen der Buchhandlung im Jahr 1928 erschien im »Börsenblatt« eine Würdigung der Arbeit Borkowskis, in der es hieß:

»Es gelang Herrn Borkowski, das Geschäft, das sich bei der Übernahme in wenig günstiger Entwicklung befand, mit Tatkraft, Geschick und Sachkenntnis zu Ansehen zu bringen. Eine Kunst- und Musikalien-Abteilung wurde angegliedert, das Personal vermehrt. Die Firma genießt heute den besten Ruf, und Beamte, die nach dem Osten versetzt werden, versichern dem Inhaber immer wieder, daß sie angenehm überrascht sind, neben den Naturschönheiten auch eine gute Buchhandlung vorzufinden.«28Kleine Mitteilungen. In: Börsenblatt, Nr. 50 vom 30.06.1928, S. [R] 741.

Der Hinweis auf die »nach dem Osten« versetzten Beamten ist interessant, verweist er doch darauf, dass sich der Kundenstamm der Buchhandlung in der Weimarer Republik nicht veränderte. Nach wie vor richtete sich Borkowskis Angebot in erster Linie an die Oberschicht der Beamten, Lehrer, Bürger und natürlich Gutsbesitzer, für die er ein »Lager in Werken für Landwirtschaft und Jagd« bereithielt.29Anzeige. In: Heimatkalender … ebenda. Selbst für die wohlhabenderen Bauern im Kreis waren neue Bücher fast unerschwinglich, kosteten doch bereits die für die Schule benötigten Lehrbücher mehr »als ein gutes Paar Stiefel«.30J. Polzin: Erinnerungen an Kindheit und Jugend (1929-1948), unveröffentlichtes Manuskript, S. 2.

Das vermehrte Personal der Buchhandlung war offenbar überwiegend weiblich, denn Borkowski suchte »für sein lebhaftes Sortiment«31Gehilfen- und Lehrlingsstellen. In: Börsenblatt, Nr. 215 vom 16.09.1930, S. 6726 in einer in einer »rein deutschen Kreisstadt«32Gehilfen- und Lehrlingsstellen. In: Börsenblatt, Nr. 20 vom 25.01.1921, S. [A] 868. Dort auch das nächste Zitat. meist gezielt nach »nicht zu jungen Buchhändlerinnen«, wobei er »Damen« bevorzugte, »welche die Stelle nicht als vorübergehend betrachteten«.33Gehilfen- und Lehrlingsstellen. In: Börsenblatt, Nr. 77 vom 31.03.1922, S. 3833. Dort auch das nächste Zitat. – Vergleiche auch die Anzeige in Börsenblatt, Nr. 136 vom 12.06.1924, S. 8278.

Eigene Verlagsaktivitäten Borkowskis blieben seltene Ausnahmen. Im Jahr 1927 veröffentlichte er unter der Firma »A. Schapler’s Buchhandlung« eine schmale Broschüre der Haushaltslehrerin Fanny John (1882-1958) mit dem Titel »Praktische Lebensführung in Familie und Gesellschaft«34Bibliographischer Teil. In: Börsenblatt, Nr. 96 vom 26.04.1927, S. 4011., 1929 kündigte er im »Börsenblatt« den Titel »Aus vergilbten Papieren der Stadt Deutsch Krone« von Bürgermeister Adolf Sperling an,35Bibliographischer Teil. In: Börsenblatt, Nr. 2 vom 3.01.1929, S. 44. vermutlich Mitte der 1930er Jahre brachte er unter eigenen Namen eine Ansichtskarte zum Gedenken an Hermann Löns heraus.

Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass Borkowski der Nazi-Diktatur zumindest anfangs positiv gegenüber stand. Im »Heimatkalender« des Jahres 1934 – das war der erste, der nach Einrichtung der Diktatur erschien – bewarb er »Bilder des Reichspräsidenten und des Volkskanzlers in nur guter und künstlerischer Ausführung«.36Heimatkalender für den Kreis Deutsch Krone 1934 [Hrsg. vom Kreisausschuss], 22. Jahrgang, Deutsch Krone [1933], S. 158. Dort auch das nächste Zitat. – Volkskanzler war ein Propagandabegriff für den Diktator Adolf Hitler. Weiter ließ er wissen, er habe »die wichtigsten nationalsozialistischen Bücher stets vorrätig«. In späteren Jahrgängen des »Heimatkalenders« finden sich keine weiteren Inserate Borkowskis. Allerdings schaltete er im März 1935 eine Anzeige im »Börsenblatt«, in der er »in zweifacher Anzahl alle Neuigkeiten in Militaria« erbat.37Anzeige. In: Börsenblatt, Nr. 70 vom 23.03.1935, S. [U 4]. Der Ausbau Deutsch Krones zur bedeutenden Garnison hatte die Nachfrage in dieser Sparte zweifellos erhöht.

Die Buchhandlung von Ottomar Borkowski um 1935.

Ende November 1942 erteilte Borkowski seiner Gehilfin Edith Gutknecht (gest. 1959) Prokura für sein Geschäft,38Wöchentliche Übersicht über geschäftliche Einrichtungen und Veränderungen. In: Börsenblatt, Nr. 275 vom 3.12.1942, S. [U 4]. das er im März 1943 in »Buchhandlung Ottomar Borkowski« umfirmierte.39Wöchentliche Übersicht über geschäftliche Einrichtungen und Veränderungen. In: Börsenblatt, Nr. 70/71 vom 25.03.1943, S. [U 4]. Ottomar Borkowski starb »nach langem Leiden« am 2. Dezember 1943 im Alter von 66 Jahren in Deutsch Krone.40Todesanzeige. In: Börsenblatt, Nr. 180 vom 27.12.1943, S. [11]. Dort auch die weiteren Angaben und das folgende Zitat. In der Todesanzeige im »Börsenblatt« hieß es:

»Wir betrauern aufs tiefste den Heimgang unseres gütigen und hochverehrten Chefs, der seine unermüdliche Schaffenskraft in den Dienst des guten deutschen Buches gestellt hatte. Uns Mitarbeiters wird er in seiner edlen Gesinnung und herzlichen Verbundenheit unvergessen bleiben.«

Traueranzeige für Ottomar Borkowski im Börsenblatt vom 27. Dezember 1943

Nach dem Tod ging die Buchhandlung »als Vermächtnis« auf die unverheiratete Edith Gutknecht über,41Geschäftsübernahme. In: Börsenblatt, Nr. 45 vom 10.06.1944, S. [A] 416. Dort die weiteren Zitate. welche die Firmierung unverändert beibehielt und die »Herrn Verleger« bat, »das Vertrauen, das sie der von Herrn Borkowski 33 Jahre geleiteten Firma entgegengebracht haben«, auf sie zu übertragen. Die Besitzveränderung wurde am 30. März 1944 gerichtlich eingetragen.42Handelsregister, Amtsgericht Dt. Krone, Nr. 336. In: Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger, Nr. 85, 5. Beilage, Berlin, 13.04.1944, S. [1]. Elf Monate später existierte die Buchhandlung nicht mehr. Sie wurde zusammen mit dem nahgelegenen Gebäude des Garms’schen Verlages bei den schweren Kämpfen im Februar 1945 nahezu vollständig zerstört. Im März 1946 berichtet der vormalige Kreis­oberinspektor August Mielke (1885-1964) aus dem nun polnischen Wałcz:

»In der Königstraße, vom Markt bis zur Pietagruppe sind in den Ruinen der abgebrannten Häuser, wie Krause, Halb, Borkowski, Egtermeyer, Pfeiffer, Leitzke, Krüger, Wolke usw., eine große Anzahl von Verkaufsbuden (Kioske) entstanden, in denen mit allen möglichen Artikeln gehandelt und getauscht wird.«43H.-G. Kroening/C. E. Mirow: Die Grenzmark und Landrat Dr. Knabe. Bonn 1995, S. 165.

Ein knappes Porträt des Buchhändlers Ottomar Borkowski findet sich in den Erinnerungen von Doris Ottlitz (1923-2020), der Tochter des Direktors der Landwirtschaftsschule in Deutsch Krone, Friedrich Prasse (1890-1973). Sie erinnerte sich an einen Einkauf, den sie kurz vor einem Weihnachtsfest in den 1930er Jahren mit ihrem Vater unternahm:

»Zuerst zu Borkowsky [sic!], dem Buchhändler. Papa verhandelte lange mit diesem ›Bücherwurm‹, der genau wie bei Spitzweg auf einer sehr hohen Leiter zu seinen Büchern heraufstieg, lang und schlank, mit einem hellen Kranz von abstehenden Haaren um sein Haupt und einer Nickelbrille. Papa entschied sich dann für das neueste und aktuellste Buch der Saison, den ›Pieter Breughel‹ von Felix Timmermans […]«44D. Ottlitz: Erinnerungen an eine Kindheit in Deutsch Krone. Gelnhausen-Roth 2016, S. 326.

Zum Abschluss soll kurz die weitere Geschichte der Firma »P. Garms »dargestellt werden, die bis 1945 im Eigentum von Willi Halb blieb. Der Verlag, der hauptsächlich die »Deutsch Kroner Zeitung« publizierte, hatte in der Nachkriegszeit große Probleme, die frühere Stellung zu behaupten. Neben der Inflation, die Halb zwang, den Umfang das Blattes auf einen halben Bogen täglich zu reduzieren,45Gründungen, Veränderungen, Personalien usw. In: Zeitungs-Verlag, 23. Jahrgang, Nr. 50, Berlin, 15.12.1922, Spalte 1612. war vor allem die wachsende Konkurrenz bedrohlich. Diese bestand zunächst aus der katholischen »Grenzwacht«, die zwar in Schneidemühl [heute: Piła] gedruckt wurde, aber auch im Kreis Deutsch Krone viele Leser fand. Dann war da noch der »Gesellige« – ein traditionelles Inseratenblatt –, der 1920 aus dem nun polnischen Grudziądz/Graudenz nach Schneidemühl verlagert wurde. Inhaber dieser Zeitung war Paul Tettenborn (1868-1946), der auch den »General-Anzeiger« in Landsberg an der Warthe verlegte und an Papierfabriken beteiligt war. Wie die »Deutsch Kroner Zeitung« wandte sich auch der »Gesellige« vor allem an die evangelische, deutschnationale Oberschicht.

Titel der Deutsch Kroner Zeitung im Jahr 1919

Unter den Bedingungen dieser »nicht immer fairen Zeitungskonkurrenz«46Willi Halb 70 Jahre alt. In: Deutsch Kroner Heimatbrief, 5. Jahrgang, Nr. 4, Hannover, April 1955, S. 9. konnte Halb kaum vom Anstieg der Einwohnerzahl Deutsch Krones profitieren, die zwischen 1910 und 1925 von 767347Verzeichnis der Ortschaften und Wohnplätze des Kreises. In: Heimatkalender für den Kreis Deutsch Krone 1915 [Hrsg. vom Königl. Landratsamt], 3. Jahrgang, Deutsch Krone [1914], S. 24/25. auf 10 11748Ortschaften und Wohnplätze des Kreises. In: Heimatkalender für den Kreis Deutsch Krone 1927 … a. a. O., S. 86/87. wuchs. Für das Jahr 1927 ist für die »Deutsch Kroner Zeitung« eine Auflage von 3500 Exemplaren nachgewiesen,49H. O. Sperling: Zeitschriften- u. Zeitungs-Adreßbuch, 53. Ausgabe, Stuttgart 1927, S. 429. während die »Grenzwacht« bereits 6000 Exemplare erreichte.50Ebenda.

Im Jahr 1925 suchte Halb nach einer gebrauchten »Rotations-Maschine […], gut erhalten« für seinen Zeitungsverlag.51Anzeige. In: Zeitungs-Verlag, 26. Jahrgang, Nr. 37, Berlin, 11.09.1925, Spalte 2500. Im gleichen Jahr schaltete er auch Inserate, um einen »arbeitsfreudigen evangel[ischen] Redakteur« zu finden.52Anzeige. In: Zeitungs-Verlag, 25. Jahrgang, Nr. 4, Berlin, 23.01.1925, Spalte 303. Dort auch die weiteren Zitate. Dieser sollte »mit treudeutscher Gesinnung die Schriftleitung der Zeitung« versehen und »besonders den Heimatteil« pflegen:

»Zuverlässige Lokalberichterstattung, Plaudereien, Musik- und Theaterbesprechungen gehören zum Tätigkeitsgebiet.«

Der gefundene Redakteur hieß Otto Kniese (1898-1977) und verantworte von 1925 bis 1937 den Textteil der Zeitung.53A. Garmse: Otto Kniese wird 75 Jahre. In: Deutsch Kroner und Schneidemühler Heimatbrief, 23. Jahrgang, Nr. 1, Hannover, Januar 1973, S. 16 f. Unter Knieses Leitung wandte sich die »Deutsch Kroner Zeitung« schon vor 1933 weit nach rechts und immer häufiger fand sich »in der Heimatpresse irgendein antisemitisch angehauchter Artikel«.54E. Landau: Mein Leben vor und nach Hitler, unveröffentlichtes Typoskript aus dem Jahr 1940. In: Leo Baeck Institut, Jerusalem, Signatur: LBIJER211, S. 39. Im Jahr 1934 wurde das Blatt in »Deutsch Kroner Kreiszeitung« umbenannt, fiel aber bis 1937 auf eine Auflage von nur noch 3084 Exemplaren zurück.55ALA-Zeitungskatalog, 62. Jahrgang, Berlin 1937, S. 207. Die »Grenzwacht« in Schneidemühl wurde nun mit einer Auflage von 5480, der »Gesellige« mit 11 900 Exemplaren verzeichnet.

Titelseite der Grenzwacht im Jahr 1938.

Im Jahr 1937 ging Kniese als Schriftleiter zur »Hersfelder Zeitung« nach Hessen,56Handbuch der Deutschen Tagespresse, 6. Auflage, Leipzig und Frankfurt/Main 1937, S. 120. seine Nachfolge in Deutsch Krone trat der frühere Schauspieler Beowulf Beier (Lebensdaten fehlen) an.57A. a. O., S. 99. Im selben Jahr Jahr wurden das bislang selbständige »Tageblatt« für Schloppe und Tütz zur Einstellung seines Betriebes gezwungen,58G. Eichhorn: Geschichte des Zeitungswesens … a. a. O., S. 118. wodurch sich die Auflage der Deutsch Kroner Kreiszeitung wieder auf 3502 Exemplare erhöhte.59Handbuch der Deutschen Tagespresse … a. a. O., S. 120.

Willi Halb behauptete später, er habe unter der Hitler-Diktatur »den Entzug [der] mit großen Opfern gehaltenen ›Deutsch Kroner Kreiszeitung‹ hinnehmen müssen«,60Zeitungsverleger W. Halb (Deutsch Krone) 75. In: Deutsch Kroner und Schneidemühler Heimatbrief, 10. Jahrgang, Nr. 5, Hannover, Mai 1960, S. 7. diese Aussage kann jedoch nicht überprüft werden. Das Archiv der Firma »P. Garms« wie auch der Gesamtbestand ihrer Zeitungen wurden 1945 vernichtet. Nur wenige Einzelexemplare haben überlebt und werden heute als Sammlerstücke gehandelt.

Lesezeichen der Buchhandlung Borkowskis, 1930er Jahre

Anmerkungen

  • 1
    Urząd Stanu Cywilnego w Wałczu: Akta zbiorcze urodzen poniemieckie … a. a. O., S. 635/636.
  • 2
    Siehe dazu das Aufgebot der Eltern in Urząd Stanu Cywilnego w Wałczu: Akta zbiorowe małżeństwa (1874), In: Archiwum Państwowe w Koszalinie Oddział w Szczecinku, Signatur: 28/227/0/011, S. 79-84.
  • 3
    Personalnachrichten. In: Börsenblatt, Nr. 176 vom 1.08.1911, S. 8764.
  • 4
    Besitzwechsel. In: Die Presse. Ostmärkische Tageszeitung, 29. Jahrgang, Nr. 81, Thorn, 5.04.1911, S. [2].
  • 5
    H. O. Sperling: Zeitschriften-Adressbuch, 43. Ausgabe, Stuttgart 1906, S. 284.
  • 6
    Zeitungs-Katalog, Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, 46. Auflage, Berlin 1913, S. 44.
  • 7
    Anzeige. In: Börsenblatt, Nr. 214 v. 15.09.1914, S. 7228.
  • 8
    Konkurse. In: Allgemeiner Anzeiger für Buchbindereien, 21. Jahrgang, Nr. 44, Stuttgart, 2.11.1906, S. 549.
  • 9
    Mitteilung. In: Börsenblatt, Nr. 265 vom 13.11.1917, S. 7371.
  • 10
    Mitteilung. In: Börsenblatt, Nr. 51 vom 18. März 1919.
  • 11
    Familiennachrichten. In: Deutsch Kroner und Schneidemühler Heimatbrief, 8. Jahrgang, Nr. 12, Hannover, Dezember 1958, S. 14. – Die Zentrumspartei führte die Zeitung unter dem Titel »Die Grenzwacht« weiter.
  • 12
    Eine zweite Filiale führte Benschuweit auf der Gymasialstraße 6 hinter dem Rathaus. C. F. Müller: Adressbuch des deutschen Buchhandels und verwandter Berufszweige, 26. Jahrgang, Leipzig 1921, S. 70.
  • 13
    W. Schwencke: Erinnerungen eines Bauschülers 1927-1931. In: Deutsch Kroner und Schneidemühler Heimatbrief, 26. Jahrgang, Nr. 8, Hannover im August 1976, S. 13.
  • 14
    Adressbuch des Deutschen Buchhandels, 95. Jahrgang, 3. Abteilung, Leipzig 1933, S. 39.
  • 15
    Anzeige. In: Börsenblatt, Nr. 91 v. 8.05.1919, S. [A] 3757.
  • 16
    Anzeige. In: Heimatkalender für den Kreis Deutsch Krone 1927 [Hrsg. vom Kreisausschuss], 15. Jahrgang, Deutsch Krone [1926], S. 118. Dort auch das nächste Zitat.
  • 17
    Geschäftsübernahme. In: Börsenblatt, Nr. 45 vom 10.06.1944, S. 416 im Anzeigenteil.
  • 18
    Akta miasta Wałcza: Gebäulichkeiten Garms-Halb, Königstrasse 52 (1883-1935). In: Archiwum Państwowe w Koszalinie, Signatur 26/84/0/1/177, Titel.
  • 19
    Beispielsweise: Ein klassisches Beispiel! In: Börsenblatt, Nr. 70 vom 23.03.1922, S. [R] 376.
  • 20
    Siehe dazu seine Anzeigen in Börsenblatt, Nr. 58 vom 9.03.1923, S. 2079 und Nr. 87 vom 16.04.1931, S. 2495.
  • 21
    Verband der Kreis- und Ortsvereine im deutschen Buchhandel. In: Börsenblatt, Nr. 269 v. 18.11.1922, S. [R] 1616.
  • 22
    O. Eulitz: Literatur über die deutsche Ostmark. In: Börsenblatt, Nr. 276 v. 26.11.1925, S. 18918.
  • 23
    Er verkaufte 51 Exemplare des Buchs. Anzeige. In: Börsenblatt, Nr. 17 vom 22. Januar 1920, S.[A] 861. – Schauwecker lebte vor und nach dem Ersten Weltkrieg einige Jahre in Deutsch Krone.
  • 24
    Sprechsaal. In: Börsenblatt, Nr. 102 vom 3.05.1921, S. [R] 648.
  • 25
    Deutsch Krone deutsch! In: Börsenblatt, Nr. 119 vom 3.06.1920, S. [R] 564.
  • 26
    Grundzahl und Schlüsselzahl. In: Börsenblatt, Nr. 187 vom 13.08.1923, S. 1144.
  • 27
    W. Möller: Buch, Rundfunk und wandernde Sommerakademie. In: Börsenblatt, Nr. 168 vom 22.07.1926, S. [R] 919. Dort auch das folgende Zitat.
  • 28
    Kleine Mitteilungen. In: Börsenblatt, Nr. 50 vom 30.06.1928, S. [R] 741.
  • 29
    Anzeige. In: Heimatkalender … ebenda.
  • 30
    J. Polzin: Erinnerungen an Kindheit und Jugend (1929-1948), unveröffentlichtes Manuskript, S. 2.
  • 31
    Gehilfen- und Lehrlingsstellen. In: Börsenblatt, Nr. 215 vom 16.09.1930, S. 6726
  • 32
    Gehilfen- und Lehrlingsstellen. In: Börsenblatt, Nr. 20 vom 25.01.1921, S. [A] 868. Dort auch das nächste Zitat.
  • 33
    Gehilfen- und Lehrlingsstellen. In: Börsenblatt, Nr. 77 vom 31.03.1922, S. 3833. Dort auch das nächste Zitat. – Vergleiche auch die Anzeige in Börsenblatt, Nr. 136 vom 12.06.1924, S. 8278.
  • 34
    Bibliographischer Teil. In: Börsenblatt, Nr. 96 vom 26.04.1927, S. 4011.
  • 35
    Bibliographischer Teil. In: Börsenblatt, Nr. 2 vom 3.01.1929, S. 44.
  • 36
    Heimatkalender für den Kreis Deutsch Krone 1934 [Hrsg. vom Kreisausschuss], 22. Jahrgang, Deutsch Krone [1933], S. 158. Dort auch das nächste Zitat. – Volkskanzler war ein Propagandabegriff für den Diktator Adolf Hitler.
  • 37
    Anzeige. In: Börsenblatt, Nr. 70 vom 23.03.1935, S. [U 4].
  • 38
    Wöchentliche Übersicht über geschäftliche Einrichtungen und Veränderungen. In: Börsenblatt, Nr. 275 vom 3.12.1942, S. [U 4].
  • 39
    Wöchentliche Übersicht über geschäftliche Einrichtungen und Veränderungen. In: Börsenblatt, Nr. 70/71 vom 25.03.1943, S. [U 4].
  • 40
    Todesanzeige. In: Börsenblatt, Nr. 180 vom 27.12.1943, S. [11]. Dort auch die weiteren Angaben und das folgende Zitat.
  • 41
    Geschäftsübernahme. In: Börsenblatt, Nr. 45 vom 10.06.1944, S. [A] 416. Dort die weiteren Zitate.
  • 42
    Handelsregister, Amtsgericht Dt. Krone, Nr. 336. In: Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger, Nr. 85, 5. Beilage, Berlin, 13.04.1944, S. [1].
  • 43
    H.-G. Kroening/C. E. Mirow: Die Grenzmark und Landrat Dr. Knabe. Bonn 1995, S. 165.
  • 44
    D. Ottlitz: Erinnerungen an eine Kindheit in Deutsch Krone. Gelnhausen-Roth 2016, S. 326.
  • 45
    Gründungen, Veränderungen, Personalien usw. In: Zeitungs-Verlag, 23. Jahrgang, Nr. 50, Berlin, 15.12.1922, Spalte 1612.
  • 46
    Willi Halb 70 Jahre alt. In: Deutsch Kroner Heimatbrief, 5. Jahrgang, Nr. 4, Hannover, April 1955, S. 9.
  • 47
    Verzeichnis der Ortschaften und Wohnplätze des Kreises. In: Heimatkalender für den Kreis Deutsch Krone 1915 [Hrsg. vom Königl. Landratsamt], 3. Jahrgang, Deutsch Krone [1914], S. 24/25.
  • 48
    Ortschaften und Wohnplätze des Kreises. In: Heimatkalender für den Kreis Deutsch Krone 1927 … a. a. O., S. 86/87.
  • 49
    H. O. Sperling: Zeitschriften- u. Zeitungs-Adreßbuch, 53. Ausgabe, Stuttgart 1927, S. 429.
  • 50
    Ebenda.
  • 51
    Anzeige. In: Zeitungs-Verlag, 26. Jahrgang, Nr. 37, Berlin, 11.09.1925, Spalte 2500.
  • 52
    Anzeige. In: Zeitungs-Verlag, 25. Jahrgang, Nr. 4, Berlin, 23.01.1925, Spalte 303. Dort auch die weiteren Zitate.
  • 53
    A. Garmse: Otto Kniese wird 75 Jahre. In: Deutsch Kroner und Schneidemühler Heimatbrief, 23. Jahrgang, Nr. 1, Hannover, Januar 1973, S. 16 f.
  • 54
    E. Landau: Mein Leben vor und nach Hitler, unveröffentlichtes Typoskript aus dem Jahr 1940. In: Leo Baeck Institut, Jerusalem, Signatur: LBIJER211, S. 39.
  • 55
    ALA-Zeitungskatalog, 62. Jahrgang, Berlin 1937, S. 207.
  • 56
    Handbuch der Deutschen Tagespresse, 6. Auflage, Leipzig und Frankfurt/Main 1937, S. 120.
  • 57
    A. a. O., S. 99.
  • 58
    G. Eichhorn: Geschichte des Zeitungswesens … a. a. O., S. 118.
  • 59
    Handbuch der Deutschen Tagespresse … a. a. O., S. 120.
  • 60
    Zeitungsverleger W. Halb (Deutsch Krone) 75. In: Deutsch Kroner und Schneidemühler Heimatbrief, 10. Jahrgang, Nr. 5, Hannover, Mai 1960, S. 7.

Garms, Borkowski und die anderen

Schriftzug von Schaplers Buchhandlung

Teil ❷ ▶︎ Bücher und Zeitungen prägten im 19. und 20. Jahrhundert auch im Kreis Deutsch Krone das gesellschaftliche Leben. Der folgende Aufsatz, der zuerst 2025 in polnischer Sprache in den »Wałeckie Zeszyty Muzealne« (Band 3) erschien, berichtet von den Buchhändlern, Buchdruckern und Buch- und Zeitungsverlegern, die in der Stadt Deutsch Krone (heute Wałcz) wirkten und lebten. Der vorliegende zweite Teil schildert die Entwicklung bis ins Jahr 1910.

Buchhändler und Verleger in Deutsch Krone 1833-1945

III. Ziebarth und Schultz

Die mit der Baugewerkschule verbundenen Hoffnungen waren auch der Grund dafür, dass im Juni 1878 eine zweite Buchhandlung im Ort entstand. Ihr Begründer war Fritz Ziebarth, der 1846 als Sohn eines Schullehrers und Organisten in Preußisch Stargard [heute: Starogard Gdański] geboren wurde.1Evangelische Stadt-Gemeinde zu Pr. Stargardt: Tauf-Register (1826-1872), In: Evangelisches Zentralarchiv Berlin, Signatur EZA 980/7097, Blatt 189 Rückseite. Ziebarth war evangelischer Konfession und mit Elise Amalie geborene Clemens verheiratet. In Deutsch Krone kam am 15. Januar 1880 der gemeinsame Sohn Otto Fritz zur Welt.2Urząd Stanu Cywilnego w Wałczu: Akta zbiorcze urodzen … a. a. O., S. 503-504.

Ziebarth bewarb die Eröffnung seiner Buchhandlung mit einer großformatigen Anzeige im »Börsenblatt«, in der er auf eine 16-jährige Erfahrung im Buchhandel verwies. Er versicherte, über »ausreichende pecuniäre Mittel« zu verfügen und nannte unter seinen Referenzen Tätigkeiten in den Buchhandlungen von Friedrich Ebbecke in Lissa [heute: Leszno], Ernst Lambeck in Thorn [Toruń] und Bruno Meyer in Königsberg [polnisch: Królewiec].3Geschäftliche Einrichtungen, Veränderungen u. s. w. In: Börsenblatt, Nr. 136 vom 14.06.1878, S. 2317. Dort auch die weiteren Angaben und Zitate. Der thematische Schwerpunkt seiner Buch- und Musikalienhandlung, in auch Schreibmaterialien und Schulutensilien gehandelt wurden, geht aus der Anzeige deutlich hervor:

»Novitäten aus dem Gebiete der Bauwissenschaft und Maschinenkunde sind mir in einfacher Anzahl unverlangt willkommen; aus allen übrigen Fächern der Literatur wähle ich selbst […]«

Eröffnungsanzeige von Ziebarths Buchhandlung im Börsenblatt vom 14. Juni 1878

Offenbar gelang es Ziebarth sehr bald, sich in Deutsch Krone mit einem eigenen Kundenkreis zu etablieren, der sich freilich aus dem gleichen Beamten- und Akademiker-Milieu speiste wie die Kundschaft der Garms’schen Buchhandlung. Letztere blieb zudem führend – das belegen die Suchanzeigen, die beide Handlungen regelmäßig im Auftrag ihrer Kunden im »Börsenblatt« schalteten. Garms hatte dabei nicht nur zahlenmäßig die Nase vorn, auch die thematische Spannweite seiner Gesuche war größer. Seine Anfragen reichten von der aktuellen Belletristik (u. a. Gustav Freytag4Suchanzeige der Garms’schen Buchhandlung. In: Börsenblatt, Nr. 91 vom 18.04.1878, S. 1576., Friedrich Wilhelm Hackländer5Ebenda., Paul Heyse6Suchanzeige der Garms’schen Buchhandlung. In: Börsenblatt, Nr. 221 vom 23.09.1878, S. 3729., E. Marlitt7Ebenda., E. Werner8Ebenda.), über Tiermedizin9Beispielsweise L. Wagenfeld: Enzyklopädie d. Thierheilkunde. In: Börsenblatt, Nr. 234 vom 8.10.1880, S. 4163., Jura10Beispielsweise C. F. Koch: Allgemeines Landrecht. – Suchanzeige der Garms’schen Buchhandlung. In: Börsenblatt, Nr. 89 vom 19.04.1883, S. 1726., Mathematik11Beispielsweise G. von Vega: Logarithmentafeln. – Suchanzeige der Garms’schen Buchhandlung. In: Börsenblatt, Nr. 95 vom 26.04.1879, S. 1636., Physik12Beispielsweise K. Koppe: Die Planimetrie für den Schul- und Selbst-Unterricht. – Ebenda., Musik13Beispielsweise A. B. Marx: Kompositionslehre. – Suchanzeige der Garms’schen Buchhandlung. In: Börsenblatt, Nr. 215 vom 16.09.1878, S. 3601., Geschichte14Beispielsweise C. Wernicke: Die Geschichte der Welt. – Suchanzeige der Garms’schen Buchhandlung. In: Börsenblatt, Nr. 170 vom 25.07.1879, S. 2920., Religion15Beispielsweise H. Hupfeld: Die Psalmen. – Suchanzeige der Garms’schen Buchhandlung. In: Börsenblatt, Nr. 97 vom 28.04.1882, S. 1860. bis hin zu Lexika16Beispielsweise Meyers Conversationslexikon.– Suchanzeige der Garms’schen Buchhandlung. In: Börsenblatt, Nr. 215 vom 16.09.1878, S. 3601., Wörterbüchern17Beispielsweise V. C. F. Rost: Griechisch-Deutsches und Deutsch-Griechisches Wörterbuch, – Suchanzeige der Garms’schen Buchhandlung. In: Börsenblatt, Nr. 90 vom 20.04.1882, S. 1724. und Sprachfibeln18Beispielsweise A. Haesters: Fibel. – Suchanzeige der Garms’schen Buchhandlung. In: Börsenblatt, Nr. 95 vom 26.04.1879, S. 1636.. Ziebarths Anfragen fokussierten sich hingegen im Wesentlichen auf die Bereiche Physik19Beispielsweise L. Burmester: Elemente einer Theorie der Isophoten.Suchanzeige der Buchhandlung F. Ziebarth. In: Börsenblatt, Nr. 146 vom 28.06.1881, S. 2740., Mathematik20Beispielsweise: O. Schlömilch: Studium der höheren Analysis. – Suchanzeige der Buchhandlung F. Ziebarth. In: Börsenblatt, Nr. 168 vom 22.07.1880, S. 2996., Jura21Beispielsweise H. G. Heumann: Handlexicon zu den Quellen des römischen Rechts.Suchanzeige der Buchhandlung F. Ziebarth. In: Börsenblatt, Nr. 213 vom 14.09.1880, S. 3748. und Sprachwissenschaften22Beispielsweise F. Ellendt/M. Seyffert: Lateinische Grammatik. – Suchanzeige der Buchhandlung F. Ziebarth. In: Börsenblatt, Nr. 84 vom 13.04.1880, S. 1520.. Bautechnische Literatur fehlt in den Gesuchen beider Buchhandlungen, denn auch Garms hatte im Mai 1878 um die unaufgeforderte Lieferung »bauwissenschaftliche Werke neuerer oder neuester Zeit« gebeten.23Anzeige. In: Börsenblatt, Nr. 117 vom 21.05.1878, S. 2016.

Es fällt auf, dass in den Suchwünschen Garms und Ziebarths die zeitgenössische Weltliteratur nicht vorkommt und überhaupt Werke demokratischer oder liberaler Autoren fehlen. Der literarische Geschmack in der Stadt war sichtbar national und konservativ. Eine Abweichung gab es aber: Im Jahr 1879 suchte Ziebarth im »Börsenblatt« die Schriften des katholischen Autors und Priesters Conrad von Bolanden (eigentlich Joseph Eduard Konrad Bischoff, 1828-1920).24Suchanzeige der Buchhandlung F. Ziebarth. In: Börsenblatt, Nr. 250 vom 28.10.1879, S. 4388. Der galt als »Preußenfresser«25N. Detering: Die Kunst der Einfalt. Märtyrer und Legenden im bürgerlichen Zeitalter der Literatur, Konstanz 2024, S. 278. und seine ultramontanen Tendenzromane waren während des Kulturkampfs mitunter beschlagnahmt worden. Interessant ist auch, dass Ziebarth und Garms übereinstimmend die Werke des plattdeutschen Dichter Fritz Reuter nachfragten.26Suchanzeige der Garms’schen Buchhandlung. In: Börsenblatt, Nr. 8 vom 8.01.1880, S. 93 und Suchanzeige der Buchhandlung F. Ziebarth. In: Börsenblatt, Nr. 284 vom 7.12.1880, S. 5296.

Im November 1883 entstand in Deutsch Krone eine dritte Buchhandlung, eine zweite Buchdruckerei und ein zweiter Zeitungsverlag. Inhaber aller drei Unternehmungen war Emil Schultz (Lebensdaten unbekannt), der bereits zwei Jahre zuvor unter der Firma »Schultz & Berger« in Kallies [heute: Kalisz Pomorski] eine Buchhandlung mit angeschlossenem Zeitungsverlag eröffnet hatte.27Gesammt-Verlags-Katalog des Deutschen Buchhandels, Band Ⅵ: Jauer-Leer, Münster i. W., 1881, Spalte 185/186. Nach der Trennung von Berger im Jahr 1882 führte Schultz die Geschäfte – darunter auch die zweimal wöchentlich erscheinende »Callieser Zeitung« – allein fort. Das Programm der Zeitung, die auch für Märkisch Friedland [heute: Mirosławiec], Neuwedell [Drawno] und Reetz [Recz] gedacht war, umriss er im Januar 1882 wie folgt:

»Die ›Callieser Zeitung‹ bringt allgemein verständliche Leitartikel, eine politische Rundschau, Lokal- und Provinzialnachrichten, Gemeinnütziges, Vermischtes, Lotterie-Gewinnlisten, Marktberichte sowie ein gut gewähltes Feuilleton etc.«28Abonnements-Einladung. In: Kreis-Blatt für den Kreis Bublitz, Nr. 1, 4.01.1882, S. [4].

Im Jahr 1883 verlagerte Schultz Buchhandlung und Verlag nach Deutsch Krone, wo er seine Zeitung nun drei Mal wöchentlich unter verschiedenen Titeln für die Städte Kallies, Neuwedell, Deutsch Krone und später auch Schloppe herausgab. Die Ausgabe für Deutsch Krone hieß »Stadt- und Landbote«29Die deutsche Presse. … a. a. O., S. 45. – Die weiteren Titeln waren: »Callieser Zeitung«, »Schlopper Zeitung«, »Neuwedeller Stadt- und Landbote«., womit sich Schultz einen alten Titel von Garms aneignete. Das Abonnement der Zeitung kostete lediglich 80 Pfennig im Vierteljahr, wohingegen Garms für die »Deutsch-Kroner Zeitung« eine Mark verlangte.30Preisliste der durch das Kaiserliche Post-Zeitungsamt in Berlin […] im Jahre 1888 zu beziehenden Zeitungen, Berlin 1888, S. 47.

Die Buchhandlung und -druckerei von Emil Schultz um 1910.

Anfangs war Schultz’ mit seiner Neugründung durchaus erfolgreich: Im Jahr 1885 erreichten seine vier Zeitungstiteln eine Auflage von 1200 Exemplaren, während die »Deutsch-Kroner Zeitung« auf 1800 Exemplare kam.31Die deutsche Presse … a. a. O., S. 45. Für das Jahr 1887 werden für die beiden Verlage 875 (Schultz) und 1600 Exemplare (Garms) genannt.32Zeitungs-Catalog, Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, 21. Auflage, Berlin 1887, S. 13. Im Jahr 1893 erreichte die »Deutsch-Kroner Zeitung« 2050 Exemplare, für die Titel von Schultz fehlen Auflagenzahlen.33Adressbuch des Deutschen Buchhandels, 55. Jahrgang, Leipzig 1893, S. 157. Im Jahr 1902 hatte Garms seinen Vorsprung ausgebaut: Seine Zeitung kam auf »bis zu 2500« Exemplare, während Schultz’ Titel auf 600 gefallen waren, von denen 200 auf Schloppe entfielen.34J. Kürschner: Handbuch der Presse, Berlin, Eisenach, Leipzig 1902, S. 252. Aus Kallies, Neuwedell und Märkisch Friedland war er durch neugegründete Lokalblätter verdrängt worden.

Franz Garms konnte sich also gegen die Konkurrenz auf dem Zeitungsmarkt behaupten, aber dessen zunehmende Zersplitterung hemmte doch die Entwicklung des eigenen Unternehmens. Der Wissenschaftler Fritz Schultz – 1889 als Sohn von Emil Schultz in Deutsch Krone geboren – wies 1913 darauf hin, dass Kleinzeitungen bis zu einer Auflage von 3000 Exemplaren meist wenig rentabel waren. Er schrieb:

»Der Kleinzeitungsbetrieb besteht immer zusammen mit einer Akzidenzdruckerei und fast allgemein mit einem Ladengeschäft, wo man Papier, Schulbücher, Galanteriewaren, Ansichtskarten usw. kaufen kann.«35F. Schultz: Die politische Tagespresse Westpreußens, Deutsch Krone 1913, S. 52. Dort auch das folgende Zitat.

Die Herausgabe der Zeitung diente diesen Druckereien meist nur »zur besseren Ausnützung des für die Akzidenzen sowieso erforderlichen Schriften- und Maschinenenmaterials und gleichzeitig als Reklamemittel für das eigene Unternehmen«. Die »Deutsch-Kroner Zeitung« warf immerhin genug ab, dass Franz Garms einen verantwortlichen Redakteur mit der Erstellung des journalistischen Inhalts betrauen konnte – 1902 war das Gerhard Hüttner –, Emil Schultz war hingegen Verleger, Drucker und Redakteur seiner Zeitungen in einer Person.36J. Kürschner: Handbuch … a. a. O., S. 252.

Auch die Buchhandlung, die Schultz nebst angeschlossener Schreibwarenhandlung in Deutsch Krone führte, stellte für die bereits etablierten Unternehmen von Garms und Zie­barth sicherlich keine bedrohliche Konkurrenz dar, schmälerte jedoch deren Umsatz. Alle drei Unternehmen waren auf die gleiche evangelisch-konservative Elite fokussiert und führten ihre Geschäfte zudem in unmittelbarer Nachbarschaft: Im Jahr 1902 saß Garms auf der Königstraße 131, Schultz auf der Königstraße 120.37Ebenda. Für Ziebarths Buchhandlung ist 1905 die Adresse Königstraße 32 nachgewiesen,38Offizielles Adressbuch des Deutschen Buchhandels, 67. Jahrgang, Leipzig 1905, S. 512. Das Hotel »Deutsches Haus« hatte damals die Hausnummer 39. sie lag also schräg gegenüber der Einmündung zur Poststraße im unteren Teil der Königstraße.

Die Garms’sche Buchhandlung in den Jahren vor dem 1. Weltkrieg.

Am 28. November 1888 starb Peter August Garms, der Begründer des Unternehmens, in Deutsch Krone.39T. Clark: Stammbaum Peter Augustus Garms … a. a. O. Mit dem Beginn der 1890er Jahre widmete sich sein Sohn Franz einer Beschäftigung, die fern vom Buchhandel und vom Zeitungsgewerbe lag: Er züchtete Rassehunde. Auf dem großen Grundstück der Familie, das von der Königstraße entlang des Poetensteigs bis zum Schlosssee reichte, errichtete er den Zwinger »Corona«, der bald zu einer bekannten Adresse avancierte. Gezüchtet wurden vor allem kurzhaarige Bernhardiner »mit vornehmen Stammbaum«,40Anzeige. In: Der Gesellige, Nr.. 217, Graudenz, 15.09.1899, 2. Blatt, S. [3]. aber 1893 bot Garms auch einen schwarzen und einen roten Teckel, acht Foxterrier und den Affenpinscher »Schnaps« zum Verkauf.41Anzeige. In: Deutsches Adelsblatt. Wochenschrift für die Aufgaben des christlichen Adels, 11. Jahrgang, Nr. 27, Berlin, 2.07.1893, S. 535. Im Jahr 1891 gehörte Garms zu den Mitbegründern des »St. Bernhards-Klub« in München,42Mitgliederliste. In: Bernhardiner-Stammbuch [Hrsg. vom St. Bernhards-Klub], Band Ⅰ, München 1894, S. 31. an dessen Hundeschauen er sich mit Erfolg beteiligte (z. B. zweiter Preis in Graudenz [heute Grudziądz] 189643Prämiirungslisten der St. Bernhardshunde. In: Bernhardiner-Stammbuch [Hrsg. vom St. Bernhards-Klub], Band Ⅱ, München 1897, S. 56.) und in dessen Vorstand er später gewählt wurde.44Mittheilungen des St. Bernhards-Klub, Ⅰ. Jahrgang, Nr. 1, München, Mai 1903, S. 20. Im Jahr 1897 erschien in der Zeitschrift »Hunde-Sport und Jagd« ein Porträt seiner Bernhardiner-Zucht, indem es hieß:

»Im hohen Nordosten Deutschlands ist Herr Fr. Garms in Deutsch-Krone wohl der älteste Züchter dieser Rasse und sein Material ein dort nicht übertroffenes. Es besteht aus fünf Rüden und fünf Hündinnen.«45Hunde-Sport und Jagd, Band Ⅻ, Nr. 50, München, 9.12.1897, S. 1062.

Franz Garms mit seiner Bernhardinerzucht im Jahr 1897

IV. Schapler und Brümmer

Während Garms sich der Hundezucht widmete, erlebte der Buchhandel in Deutsch Krone erhebliche Veränderungen. Bereits im April 1893 hatte Fritz Ziebarth seine Buchhandlung an Arthur Schapler verkauft, der von nun an als »F. Ziebarth’s Buchhandlung (A. Schapler)« firmierte.46Bekanntmachung des Amtsgerichts Deutsch Krone. In: Berliner Börsen-Courier, Nr. 176, 3. Beilage vom 15.04.1893, S. [4]. Am 1. Juli 1894 eröffnete Otto Brümmer in der knapp 7200 Einwohner47Gemeindelexikon für die Provinz Westpreußen, Berlin 1898, S. 172. zählenden Stadt ein viertes Buchgeschäft.48Offizielles Adressbuch des Deutschen Buchhandels … a. a. O., S. 57. Über den weiteren Verbleib des erst 46-jährigen Zie­barth fehlt jede Kunde und auch die Lebensdaten von Schapler sind nicht bekannt. In einer Anzeige im »Börsenblatt« hieß es nur, er stamme aus Thorn und sei vor dem Kauf im Buchhandel in Danzig, Elbing und Marburg tätig gewesen.49Mitteilung. In: Börsenblatt, Nr. 78 vom 6.04.1893, Seite 2125. Nach Erinnerungen von Familienmitgliedern heiratete er später eine Schwester von Ernst Weise (ermordet 1945), dem Besitzer von Gut Marienfelde bei Schrotz [heute: Klęśnik bei Skrzatusz].50Heimische Gutshäuser. In: Deutsch Kroner und Schneidemühler Heimatbrief, 19. Jahrgang, Nr. 3, Hannover, März 1969, S. 6. Otto Brümmer war hingegen von Beruf Buchbinder und wurde am 25. Dezember 1866 in Tempelburg [heute: Czaplinek] geboren,51Standesamt Berlin: Heirats-Register (Haupt-Register) Standesamt Berlin 4A 1926, Bd. 2. In: Landesarchiv Berlin, Signatur P Rep 500, Heiratsurkunde Nr. 377 vom 24.06.1926. wo im Jahr 1898 eine Papier- und Schreibwarenhandlung von August Brümmer bestand.52Papier-Adressbuch von Deutschland, Berlin 1898, S. 368. Er starb am 23. Oktober 1945 in Berlin.53Standesamt Berlin: Sterbebuch Standesamt Kreuzberg 1945, Band 21. In: Landesarchiv Berlin, Signatur P Rep. 510, Sterbeurkunde Nr. 12320 vom 23. Oktober 1945.

Die vier Buchhandlungen der Stadt hatten unterschiedliche geschäftliche Schwerpunkte, die sich u. a. in den »Adressbüchern des Buchhandels« widerspiegeln:

  • Otto Brümmer führte auf der Königstraße 122 zunächst eine Sortimentsbuchhandlung,54Offizielles Adressbuch des Deutschen Buchhandels … a. a. O., S. 57. die sich vor allem der modernen naturalistischen Literatur widmete.55T. Soorholtz: »Jecke« z Wałcza. In: Studia i materiały do dziejów ziemi wałeckiej, Nr. 14, Wałcz 2023, S. 91. Bis 1914 erweiterte das Geschäft um einen Kalenderverlag sowie den Saitenhandel und benannte nun als »Spezialgebiet […] katholische und protestantische Gebet-, Gesang- und Erbauungsbücher«;56Adressbuch des Deutschen Buchhandels, Leipzig 1914, S. 73.
  • Franz Garms bediente traditionell den Gesamtbereich des Buch-, Kunst-, Musik- und Papierhandels mit Buchdruckerei, Buchbinderei und Verlag.57Offizielles Adressbuch des Deutschen Buchhandels … a. a. O., S. 134. Dort auch die weiteren Angaben. Den Markenkern des Unternehmens bildete die Herausgabe der »Deutsch-Kroner Zeitung«, die 1905 eine Auflage von 2350 Exemplaren erreichte. Hinzu kamen eigene Buchveröffentlichung wie die »Geschichte des Kreises Deutsch-Krone« von Franz Schultz im Jahr 1902, der Druck des offiziellen »Kreisblattes«, der jährlichen Programme des Gymnasiums sowie ab 1912 des ebenfalls jährlichen »Heimatkalenders«;
  • Arthur Schapler firmiert im Adressbuch von 1905 als Buch-, Kunst‑, Musik- und Schreibmaterialhandlung nebst Buchbinderei;58A. a. O., S. 512. – Die Kombination aus Buchhandel und -binderei war sinnvoll, weil zur damaligen Zeit viele Bücher ohne Einband verkauf wurden.
  • Das Unternehmen von Emil Schulz wird im Adressbuch von 1905 als Buchhandlung, Buchdruckerei und Zeitungsverlag geführt.59A. a. O., S. 405. Es verlegte immer noch den »Deutsch Kroner Stadt-und Landboten«, aber im Zentrum seines Geschäfts stand zweifellos die Akzidenzdruckerei.

Mit vier Buchhandlungen und zwei Zeitungsverlagen war Deutsch Krone um die Jahrhundertwende gewiss nicht schlechter ausgestattet als vergleichbare Städte im Westen Deutschlands. Die veröffentlichte Meinung zeichnete jedoch häufig das Bild einer weitgehend kulturlosen Region. So schrieb die Publizistin Käthe Schirmacher im Jahr 1892:

»Ein plattes Land mit dürftigem Kiefernwuchs, bedeckt von haidegrauem Moos, in dem höchstens ein paar Hasen ihre Sprünge machen; das Land von Konitz, Flatow und Deutsch-Krone, wo sich manche Kreisstädte noch nicht im Besitz einer Buchhandlung, einer Zeitung befinden […]«60K. Schirmacher: Danzig. In: National-Zeitung, Nr. 401, Sonntags-Beilage, Berlin, 3.07.1892, S. [1].

Zwischen 1896 und 1907 betätigte sich Schapler auch als Verleger, wobei er sich zunächst auf Unterrichtsmaterialien für die Baugewerkschule konzentrierte. Dieses Geschäftsfeld war offenbar lohnend, denn schon 1891 hatte Franz Garms einen »Katechismus für Baumaterialienkunde« des Bauschullehrers Friedrich Haaßengier herausgegeben.61Vierteljahrs-Catalog aller neuen Erscheinungen im Felde der Literatur in Deutschland, 45. Jahrgang, Nr. Ⅳ, Leipzig 1890, S. 778. In Zusammenarbeit mit dem Architekten und Baulehrer Martin Meyer legte Schapler in den Jahren 1896 bis 1900 vier Mappenwerke vor,62Die Titel lauten: Der Bau hölzerner Treppen (1896), Thüren und Fenster (1896); Die Arbeiten des Bautischlers (1900) und Eisenkonstruktion des Hochbaues (1900). die von der Kritik gut aufgenommen wurden. Über den Titel »Der Bau hölzerner Treppen« (1896) urteilte ein Wiener Fachblatt:

»Diese reichhaltige Sammlung von Treppen-Entwürfen ist mit ebensoviel Geschick als Geschmack zusammengestellt, die Constructionen sind überaus klar und genau bezeichnet. […] Das Werk ist ein sehr werthvolles Studienmaterial.«63Neueste Erfindungen und Erfahrungen [Hrsg. v. Theodor Koller], 23. Jahrgang 1896, Wien, Pest, Leipzig 1897, S. 516.

Ähnlich positiv wurde die zweite Mappe »Thüren und Fenster« aufgenommen, die ebenfalls 1896 in Deutsch Krone erschien:

»Die 18 Blatt enthalten eine grosse Anzahl durchaus sauber gezeichneter Thür- und Fensterconstructionen und wir müssen gestehen, dass trotz des verhältnissmässig geringen Umfangs ausserordentlich viel geboten ist und dass das Werkchen unstreitig zu den besten einschlägigen Publicationen zählt.«64Innerer Ausbau. In: Literarische Rundschau des »Bautechniker«, Nr. 12, Wien, 20.12.1895, S. 11.

Zwischen 1896 und 1900 verlegte Ziebarth mehrere Mappenwerke des Baugewerkslehrers Martin Meyer.

Weniger Erfolg hatte Schapler mit dem Titel »Geschichte und Methodik des katholischen Religionsunterrichts«, den 1907 der Seminarlehrer Clemens Rohbeck in seinem Verlag veröffentlichte. Das Buch war als Lehrbuch für das katholische Schullehrerseminar gedacht, das seit dem Jahr 1900 in Deutsch Krone bestand, erhielt aber schlechte Kritiken:

»Man verlangt von einem Lehrbuch keine Kenntnisse, die auf Quellenstudien beruhen; immerhin sollten sie aber doch das Ergebnis der sekundären Literatur darstellen. Diese Kenntnisse fehlen streckenweise dem Verfasser.«65F. X. Thalhofer: Katholische Katechese. In: Historisch-pädagogischer Literatur-Bericht über das Jahr 1907, Berlin 1908, S. 104.

Mit Rohbecks Lehrbuch stellte Schapler seine Verlagsaktivitäten ein. Am 1. März 1910 veräußerte er sein gesamtes Unternehmen an Ottomar Borkowski, der allerdings den Namen »A. Schapler’s Buchhandlung« bis 1943 beibehielt.66Wöchentliche Einrichtungen und Veränderungen. In: Börsenblatt, Nr. 70/71 vom 25.03.1943, S. [14]. Die Firma wurde auf »Buchhandlung Ottomar Borkowski« geändert.

Anmerkungen

  • 1
    Evangelische Stadt-Gemeinde zu Pr. Stargardt: Tauf-Register (1826-1872), In: Evangelisches Zentralarchiv Berlin, Signatur EZA 980/7097, Blatt 189 Rückseite.
  • 2
    Urząd Stanu Cywilnego w Wałczu: Akta zbiorcze urodzen … a. a. O., S. 503-504.
  • 3
    Geschäftliche Einrichtungen, Veränderungen u. s. w. In: Börsenblatt, Nr. 136 vom 14.06.1878, S. 2317. Dort auch die weiteren Angaben und Zitate.
  • 4
    Suchanzeige der Garms’schen Buchhandlung. In: Börsenblatt, Nr. 91 vom 18.04.1878, S. 1576.
  • 5
    Ebenda.
  • 6
    Suchanzeige der Garms’schen Buchhandlung. In: Börsenblatt, Nr. 221 vom 23.09.1878, S. 3729.
  • 7
    Ebenda.
  • 8
    Ebenda.
  • 9
    Beispielsweise L. Wagenfeld: Enzyklopädie d. Thierheilkunde. In: Börsenblatt, Nr. 234 vom 8.10.1880, S. 4163.
  • 10
    Beispielsweise C. F. Koch: Allgemeines Landrecht. – Suchanzeige der Garms’schen Buchhandlung. In: Börsenblatt, Nr. 89 vom 19.04.1883, S. 1726.
  • 11
    Beispielsweise G. von Vega: Logarithmentafeln. – Suchanzeige der Garms’schen Buchhandlung. In: Börsenblatt, Nr. 95 vom 26.04.1879, S. 1636.
  • 12
    Beispielsweise K. Koppe: Die Planimetrie für den Schul- und Selbst-Unterricht. – Ebenda.
  • 13
    Beispielsweise A. B. Marx: Kompositionslehre. – Suchanzeige der Garms’schen Buchhandlung. In: Börsenblatt, Nr. 215 vom 16.09.1878, S. 3601.
  • 14
    Beispielsweise C. Wernicke: Die Geschichte der Welt. – Suchanzeige der Garms’schen Buchhandlung. In: Börsenblatt, Nr. 170 vom 25.07.1879, S. 2920.
  • 15
    Beispielsweise H. Hupfeld: Die Psalmen. – Suchanzeige der Garms’schen Buchhandlung. In: Börsenblatt, Nr. 97 vom 28.04.1882, S. 1860.
  • 16
    Beispielsweise Meyers Conversationslexikon.– Suchanzeige der Garms’schen Buchhandlung. In: Börsenblatt, Nr. 215 vom 16.09.1878, S. 3601.
  • 17
    Beispielsweise V. C. F. Rost: Griechisch-Deutsches und Deutsch-Griechisches Wörterbuch, – Suchanzeige der Garms’schen Buchhandlung. In: Börsenblatt, Nr. 90 vom 20.04.1882, S. 1724.
  • 18
    Beispielsweise A. Haesters: Fibel. – Suchanzeige der Garms’schen Buchhandlung. In: Börsenblatt, Nr. 95 vom 26.04.1879, S. 1636.
  • 19
    Beispielsweise L. Burmester: Elemente einer Theorie der Isophoten.Suchanzeige der Buchhandlung F. Ziebarth. In: Börsenblatt, Nr. 146 vom 28.06.1881, S. 2740.
  • 20
    Beispielsweise: O. Schlömilch: Studium der höheren Analysis. – Suchanzeige der Buchhandlung F. Ziebarth. In: Börsenblatt, Nr. 168 vom 22.07.1880, S. 2996.
  • 21
    Beispielsweise H. G. Heumann: Handlexicon zu den Quellen des römischen Rechts.Suchanzeige der Buchhandlung F. Ziebarth. In: Börsenblatt, Nr. 213 vom 14.09.1880, S. 3748.
  • 22
    Beispielsweise F. Ellendt/M. Seyffert: Lateinische Grammatik. – Suchanzeige der Buchhandlung F. Ziebarth. In: Börsenblatt, Nr. 84 vom 13.04.1880, S. 1520.
  • 23
    Anzeige. In: Börsenblatt, Nr. 117 vom 21.05.1878, S. 2016.
  • 24
    Suchanzeige der Buchhandlung F. Ziebarth. In: Börsenblatt, Nr. 250 vom 28.10.1879, S. 4388.
  • 25
    N. Detering: Die Kunst der Einfalt. Märtyrer und Legenden im bürgerlichen Zeitalter der Literatur, Konstanz 2024, S. 278.
  • 26
    Suchanzeige der Garms’schen Buchhandlung. In: Börsenblatt, Nr. 8 vom 8.01.1880, S. 93 und Suchanzeige der Buchhandlung F. Ziebarth. In: Börsenblatt, Nr. 284 vom 7.12.1880, S. 5296.
  • 27
    Gesammt-Verlags-Katalog des Deutschen Buchhandels, Band Ⅵ: Jauer-Leer, Münster i. W., 1881, Spalte 185/186.
  • 28
    Abonnements-Einladung. In: Kreis-Blatt für den Kreis Bublitz, Nr. 1, 4.01.1882, S. [4].
  • 29
    Die deutsche Presse. … a. a. O., S. 45. – Die weiteren Titeln waren: »Callieser Zeitung«, »Schlopper Zeitung«, »Neuwedeller Stadt- und Landbote«.
  • 30
    Preisliste der durch das Kaiserliche Post-Zeitungsamt in Berlin […] im Jahre 1888 zu beziehenden Zeitungen, Berlin 1888, S. 47.
  • 31
    Die deutsche Presse … a. a. O., S. 45.
  • 32
    Zeitungs-Catalog, Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, 21. Auflage, Berlin 1887, S. 13.
  • 33
    Adressbuch des Deutschen Buchhandels, 55. Jahrgang, Leipzig 1893, S. 157.
  • 34
    J. Kürschner: Handbuch der Presse, Berlin, Eisenach, Leipzig 1902, S. 252.
  • 35
    F. Schultz: Die politische Tagespresse Westpreußens, Deutsch Krone 1913, S. 52. Dort auch das folgende Zitat.
  • 36
    J. Kürschner: Handbuch … a. a. O., S. 252.
  • 37
    Ebenda.
  • 38
    Offizielles Adressbuch des Deutschen Buchhandels, 67. Jahrgang, Leipzig 1905, S. 512. Das Hotel »Deutsches Haus« hatte damals die Hausnummer 39.
  • 39
    T. Clark: Stammbaum Peter Augustus Garms … a. a. O.
  • 40
    Anzeige. In: Der Gesellige, Nr.. 217, Graudenz, 15.09.1899, 2. Blatt, S. [3].
  • 41
    Anzeige. In: Deutsches Adelsblatt. Wochenschrift für die Aufgaben des christlichen Adels, 11. Jahrgang, Nr. 27, Berlin, 2.07.1893, S. 535.
  • 42
    Mitgliederliste. In: Bernhardiner-Stammbuch [Hrsg. vom St. Bernhards-Klub], Band Ⅰ, München 1894, S. 31.
  • 43
    Prämiirungslisten der St. Bernhardshunde. In: Bernhardiner-Stammbuch [Hrsg. vom St. Bernhards-Klub], Band Ⅱ, München 1897, S. 56.
  • 44
    Mittheilungen des St. Bernhards-Klub, Ⅰ. Jahrgang, Nr. 1, München, Mai 1903, S. 20.
  • 45
    Hunde-Sport und Jagd, Band Ⅻ, Nr. 50, München, 9.12.1897, S. 1062.
  • 46
    Bekanntmachung des Amtsgerichts Deutsch Krone. In: Berliner Börsen-Courier, Nr. 176, 3. Beilage vom 15.04.1893, S. [4].
  • 47
    Gemeindelexikon für die Provinz Westpreußen, Berlin 1898, S. 172.
  • 48
    Offizielles Adressbuch des Deutschen Buchhandels … a. a. O., S. 57.
  • 49
    Mitteilung. In: Börsenblatt, Nr. 78 vom 6.04.1893, Seite 2125.
  • 50
    Heimische Gutshäuser. In: Deutsch Kroner und Schneidemühler Heimatbrief, 19. Jahrgang, Nr. 3, Hannover, März 1969, S. 6.
  • 51
    Standesamt Berlin: Heirats-Register (Haupt-Register) Standesamt Berlin 4A 1926, Bd. 2. In: Landesarchiv Berlin, Signatur P Rep 500, Heiratsurkunde Nr. 377 vom 24.06.1926.
  • 52
    Papier-Adressbuch von Deutschland, Berlin 1898, S. 368.
  • 53
    Standesamt Berlin: Sterbebuch Standesamt Kreuzberg 1945, Band 21. In: Landesarchiv Berlin, Signatur P Rep. 510, Sterbeurkunde Nr. 12320 vom 23. Oktober 1945.
  • 54
    Offizielles Adressbuch des Deutschen Buchhandels … a. a. O., S. 57.
  • 55
    T. Soorholtz: »Jecke« z Wałcza. In: Studia i materiały do dziejów ziemi wałeckiej, Nr. 14, Wałcz 2023, S. 91.
  • 56
    Adressbuch des Deutschen Buchhandels, Leipzig 1914, S. 73.
  • 57
    Offizielles Adressbuch des Deutschen Buchhandels … a. a. O., S. 134. Dort auch die weiteren Angaben.
  • 58
    A. a. O., S. 512. – Die Kombination aus Buchhandel und -binderei war sinnvoll, weil zur damaligen Zeit viele Bücher ohne Einband verkauf wurden.
  • 59
    A. a. O., S. 405.
  • 60
    K. Schirmacher: Danzig. In: National-Zeitung, Nr. 401, Sonntags-Beilage, Berlin, 3.07.1892, S. [1].
  • 61
    Vierteljahrs-Catalog aller neuen Erscheinungen im Felde der Literatur in Deutschland, 45. Jahrgang, Nr. Ⅳ, Leipzig 1890, S. 778.
  • 62
    Die Titel lauten: Der Bau hölzerner Treppen (1896), Thüren und Fenster (1896); Die Arbeiten des Bautischlers (1900) und Eisenkonstruktion des Hochbaues (1900).
  • 63
    Neueste Erfindungen und Erfahrungen [Hrsg. v. Theodor Koller], 23. Jahrgang 1896, Wien, Pest, Leipzig 1897, S. 516.
  • 64
    Innerer Ausbau. In: Literarische Rundschau des »Bautechniker«, Nr. 12, Wien, 20.12.1895, S. 11.
  • 65
    F. X. Thalhofer: Katholische Katechese. In: Historisch-pädagogischer Literatur-Bericht über das Jahr 1907, Berlin 1908, S. 104.
  • 66
    Wöchentliche Einrichtungen und Veränderungen. In: Börsenblatt, Nr. 70/71 vom 25.03.1943, S. [14]. Die Firma wurde auf »Buchhandlung Ottomar Borkowski« geändert.

Garms, Borkowski und die anderen

Titelseite der Zeitung Der Herold

Teil ❶ ▶︎ Bücher und Zeitungen prägten im 19. und 20. Jahrhundert auch im Kreis Deutsch Krone das gesellschaftliche Leben. Der folgende Aufsatz, der zuerst 2025 in polnischer Sprache in den »Wałeckie Zeszyty Muzealne« (Band 3) erschien, berichtet von den Buchhändlern, Buchdruckern und Buch- und Zeitungsverlegern, die bis 1945 in der Stadt Deutsch Krone (heute Wałcz) wirkten und lebten. Der erste Teil schildert die Entwicklung von den Anfängen bis ins Jahr 1877.

Buchhändler und Verleger in Deutsch Krone 1833-1945

I. Die Anfänge

In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts vervielfachte sich die Produktion und der Absatz von Büchern und anderen Druckwerken in fast allen Ländern Europas.1Die Zahl der Neuerscheinungen stieg in Deutschland von 2529 (1814) auf 8737 (1850), in Frankreich von 2126 (1817) auf 7208 (1850) und in England von 842 (1828) auf 4400 (1850). Buchhandel. In: Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände, Band 3, Leipzig 1851¹⁰, S. 394. Ein Grund dafür waren technische Erfindungen, die den Druckvorgang beschleunigten und verbilligten. Ein anderer war das wachsende Bildungsniveau der Bevölkerung, das mit einer Zunahme der Lesefähigkeit einherging. Waren um 1800 nur 25 Prozent der Europäer in der Lage, einen längeren Text zu rezipieren, so stieg dieser Wert auf rund 40 Prozent im Jahr 1840 an.2R. Schenda: Volk ohne Buch. Studien zur Sozialgeschichte der populären Lesestoffe 1770-1900, Frankfurt/Main 1988³, S. 444 f.

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Anmerkungen

  • 1
    Die Zahl der Neuerscheinungen stieg in Deutschland von 2529 (1814) auf 8737 (1850), in Frankreich von 2126 (1817) auf 7208 (1850) und in England von 842 (1828) auf 4400 (1850). Buchhandel. In: Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände, Band 3, Leipzig 1851¹⁰, S. 394.
  • 2
    R. Schenda: Volk ohne Buch. Studien zur Sozialgeschichte der populären Lesestoffe 1770-1900, Frankfurt/Main 1988³, S. 444 f.

Ein Heim der Hitlerjugend für Tütz

Ein gescheitertes Projekt und seine Hintergründe – Teil 2

Siegel der Stadt Tütz

Teil ➋ ▶︎Seit 1936 bestanden Pläne, in der Kleinstadt Tütz (heute Tuczno in Polen) ein Heim der Hitlerjugend zu errichten. Der nachfolgende Arbeit, die in polnischer Sprache erstmalig im Jahr 2024 unter dem Titel »Dom Hitlerowskiej Młodzieży w Tucznie« im Band II des Jahrbuchs »Wałeckie Zeszyty Muzealne« erschien, berichtet anhand überlieferter Akten von diesem Projekt. Der vorliegende zweite Teil behandelt die Jahre 1938-1941.

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Ein Heim der Hitlerjugend für Tütz

Ein gescheitertes Projekt und seine Hintergründe – Teil 1

Siegel der Stadt Tütz

Teil ➊ ▶︎Seit 1936 bestanden Pläne, in der Kleinstadt Tütz (heute Tuczno in Polen) ein Heim der Hitlerjugend zu errichten. Der nachfolgende Arbeit, die in polnischer Sprache erstmalig im Jahr 2024 unter dem Titel »Dom Hitlerowskiej Młodzieży w Tucznie« im Band II des Jahrbuchs »Wałeckie Zeszyty Muzealne« erschien, berichtet anhand überlieferter Akten von dem Projekt. Der vorliegende zweite Teil behandelt die Entwicklung bis 1938.

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Heinrich von der Goltz – Starost von Wałcz

Die »Real-Zeitung«, die Johann Gottfried Groß (1703-1786) von 1741 an in Erlangen (und teilweise Augsburg) herausgab, war eine der bekanntesten deutschsprachigen Zeitungen der Zeit. Mit einem unterhaltsamen Mix aus Nachrichten, Kommentaren und Anekdoten erreichte die »Real-Zeitung« zeitweilig die beachtliche Auflage von 18.000 Exemplaren. Wie in Zeitungen damals üblich, brachte Groß auch Nachrufe auf bekannte verstorbene Persönlichkeiten. So gedachte er in der Nummer 39 vom 15. Mai 1765 dem Starosten Heinrich von der Goltz in Wałcz:

Polen. Im April starb der Starost von Walcz oder Krone, in Groß-Pohlen, Heinrich von Goltz, in einem 80.jährigen Alter.

Er war der einige Pohlnische Edelmann Protestantischer Religion, der noch eine Starostey mit Jurisdiction besaß, weil er solche schon vor 1717. hatte, da die Constitiution gemacht wurde, daß kein Protestant mehr Sitz und Stimme auf den Reichs- und Land-Tagen, noch das Recht Landbothe zu werden, oder andere Reichs-Chargen und Starosteyen mit Gerichtsbarkeit haben sollte.

Unter den Kindern dieses Herrn ist sonderlich der Polnische General-Lieutenant, welcher ehehin Gesandter am Königl. Preußischen Hofe gewesen, dann der General-Major bekannt, davon jener zwar die Starostey von Tuchel, dieser aber die von Graudenz besitzet, jedoch beede ohne Gerichtsbarkeit.

Real-Zeitung. Num. 39. Erlang, den 15. May. 1765., Seite 309-310.1Digitalisat der Bayrischen Staatsbibliothek, http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb10541337-6.

Tatsächlich war Heinrich von der Goltz bereits am 22. März 1764 im 79. Lebensjahr in Wałcz verstorben.2Friedrich v. d. Goltz: Nachrichten über die Familie der Grafen und Freiherrn von der Goltz, 1. Abtheilung, Strassburg 1885, S. 192. Dass die »Real-Zeitung« seinen Tod um ein Jahr verschob, hatte vermutlich politische Gründe. Schon seit der Regierungszeit des polnischen Königs August Ⅲ. (1696-1763) galt Polen als geschwächt. Nach seinem Tod im September 1763 schlossen Preußen und Russland einen Vertrag, in dem sie offensiv ihre gegenseitigen Interessen im Nachbarland formulierten. Sie einigten sich dabei auch auf die Wahl von Stanislaus II. August Poniatowski zum neuen König, die im September 1764 stattfand. Mit der Übereinkunft von Preußen und Russland war faktisch der ersten Schritt zur Aufteilung Polens im nachfolgenden Jahrzehnt getan.

Erlanger Real-Zeitung für 1765, Titelblatt. Quelle: Bavarikon.

Propagandistisch rechtfertigten sowohl Russland als auch Preußen ihr Engagement in Polen mit der dortigen Verfolgung der Dissidenten. So enthielt der Vertrag vom April 1764 eine Klausel, in der sich Friedrich Ⅱ. von Preußen und Katharina von Russland verpflichteten, die Lutheraner und Reformierten in Polen und Litauen zu schützen und dahin zu wirken, dass diese in jene Rechte eingesetzt würden, die sie in der Vergangenheit besessen hatten. Der Erlanger Zeitungspublizist Groß war seit dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) ein Bewunderer des preußischen Königs. Er griff daher das Dissidenten-Thema in seiner »Real-Zeitung« begierig auf, wie ein Artikel vom 23. Januar 1765 zeigt, in dem die Situation in Polen mit der in Frankreich verglichen wird:

So gehäßig und widrig auch die steif-catholischen Polacken, bey denen der Clerus ein so groß Pouvoir hat, sich wider die Dißidenten erwiesen haben (denn in Glaubens-Sachen im geringsten anders denken, ist bey diesen Leuten das größte Verbrechen, wie man noch in ienen finstren und unglücklichen Landen wahrnimmt, wo die Inquisitions-Verfolgungen im Gang sind): so gelinde und tractable erzeiget sich heutigs Tags das kluge Frankreich.

Real-Zeitung. Num. 7. Erlang, den 23. Januar. 1765., S. 52.

Die Familie von der Goltz, die in Preußen und Polen zugleich begütert war und in beiden Staaten auch wichtige Funktionen ausübte, zählte zu den bekanntesten protestantischen Familien in Polen. Einige Mitglieder des weitläufigen Familienverbandes korrespondierten zudem seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts mit dem preußischen Königshaus, um Protektion und Unterstützung für die Angehörigen der evangelischen Kirche in Polen zu fordern.3siehe dazu: Theodor Wotschke: Die Verdienste der Familie von der Goltz um die evangelische Kirche in Polen. In: Grenzmärkische Heimatblätter, 10. Jahrgang, Erster Teil, Schneidemühl 1934, S. 61-84. Bei der Zuspitzung der Situation in den Jahren nach 1763 kam ihnen daher eine natürliche Kronzeugenrolle zu. Die Rolle des verfolgten Dissidenten war es wohl auch, der Heinrich von der Goltz seinen verspäteten Nachruf in der »Real-Zeitung« verdankte.

Die Verbindung zu Preußen führt heute noch dazu, dass einige polnische Historiker das historische Wirken der Familie von der Goltz stark negativ akzentuieren. So warf Ludwik Bąk den »Herren von Goltz« im Jahr 1999 »Verrat an der Adelsrepublik« vor, weil sie sich »mit den Feinden Polens« verbündet hätten4Ludwik Bąk: Ziemia Wałecka w dobie reformacji i kontrreformacji w XVI-XVIII w., Szczecin 1999, S. 545. Weiter heißt es bei ihm:

Insgesamt blieb die evangelische Linie der Familie von der Goltz Polen feindlich gesonnen, obwohl einige Mitglieder seit dem 16. Jahrhundert verschiedene Ämter im Deutsch Kroner Land inne hatten. Der Sohn des Feldmarschalls Heinrich von der Goltz war der einzige Starost in Polen, der zugleich Dissident war, ebenso verhielt es sich bei seinem Sohn Georg Wilhelm. […] Der Enkel des Feldmarschalls, der Starost von Deutsch Krone und Tuchel, Georg Wilhelm von der Goltz, war Marschall der dissidentischen Konföderation von Thorn und hielt enge Beziehungen zu den Höfen in Berlin und St. Petersburg. Als einer der Berater Friedrichs II. war er einer ›der Haupturheber der ersten polnischen Teilung‹5Bąk gibt als Quelle für das Zitat F. W. F. Schmitt: Geschichte des Deutsch-Croner Kreises, Thorn 1867, S. 128 an, wo es sich aber nicht findet..

Ludwik Bąk: Ziemia Wałecka w dobie reformacji i kontrreformacji w XVI-XVIII w., Szczecin 1999, S. 214.

Eine gerechtere Einschätzung erlaubt der deutsche Historiker Hans-Jürgen Bömelburg, der 2006 die »gemischten Loyalitäten der Familie von der Goltz/Golcz« untersuchte.6Hans-Jürgen Bömelburg: Grenzgesellschaft und mehrfache Loyalitäten. Die brandenburg-preußisch-polnische Grenze 1656-1772. In: Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung, Band 55, Heft 1, Marburg 2006, S. 56-77. Er kam dabei zu dem Ergebnis, dass die Familie lange Zeit aus ihrer Position im weiten und wenig fixierten Grenzsaum zwischen Brandenburg und Polen wesentliche Vorteile als unentbehrliche Makler und Vermittler gezogen hatte:

[Die Mitglieder der Familie] traten in preußische, dänische, sächsische und russische Dienste und verfolgten dort militärische Karrieren und diplomatische Avancements. Bedingungen für diese Karrieren waren die Mehrsprachigkeit der Familie und gute Kontakte in die verschiedenen Staatsgefüge. Gängig waren auch mehrfache Wechsel in den Dienst verschiedener Staaten und Herrscher.

Bömelburg: Grenzgesellschaft … a. a. O., S. 73.

Mit der Zunahme konfessioneller Spannungen in Polen wurde die Spielräume für die von der Goltz kleiner. Die protestantischen Familie konnten sich auf den großpolnischen Landtagen nicht mehr durchsetzen und auch keine Ämter am Warschauer Hof bekleiden. Die Konversion zum Katholizismus war keine Alternative: Sie hätte den Familienverband gespaltet und den Einfluss nach Brandenburg hin verringert. Letztlich blieb den von der Goltz angesichts der Rekatholisierung Polens keine Wahl als sich für die Rechte der Dissidenten in der Adelsrepublik einzusetzen. Sie taten das vor allem im eigenen Interesse, denn bei nur geringen materiellen Ressourcen hing der Einfluss der Familie eben von einer beidseitig anerkannten Position zwischen Brandenburg und Polen ab.

Bömelburg und Bąk weisen beide daraufhin, dass die Erste Teilung Polens für die von der Goltz einen »gänzlichen Karriereknick« bedeute.7Bömelburg: Grenzgesellschaft … a. a. O., S. 76;Bąk: Ziemia Wałecka … a. a. O., S. 214. Die Familie konnte ihre internationale Politik nicht fortsetzen, verlor jeden Einfluss und zuletzt auch ihre Güter im Deutsch Kroner Land.

Anmerkungen

  • 1
    Digitalisat der Bayrischen Staatsbibliothek, http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb10541337-6.
  • 2
    Friedrich v. d. Goltz: Nachrichten über die Familie der Grafen und Freiherrn von der Goltz, 1. Abtheilung, Strassburg 1885, S. 192.
  • 3
    siehe dazu: Theodor Wotschke: Die Verdienste der Familie von der Goltz um die evangelische Kirche in Polen. In: Grenzmärkische Heimatblätter, 10. Jahrgang, Erster Teil, Schneidemühl 1934, S. 61-84.
  • 4
    Ludwik Bąk: Ziemia Wałecka w dobie reformacji i kontrreformacji w XVI-XVIII w., Szczecin 1999, S. 545.
  • 5
    Bąk gibt als Quelle für das Zitat F. W. F. Schmitt: Geschichte des Deutsch-Croner Kreises, Thorn 1867, S. 128 an, wo es sich aber nicht findet.
  • 6
    Hans-Jürgen Bömelburg: Grenzgesellschaft und mehrfache Loyalitäten. Die brandenburg-preußisch-polnische Grenze 1656-1772. In: Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung, Band 55, Heft 1, Marburg 2006, S. 56-77.
  • 7
    Bömelburg: Grenzgesellschaft … a. a. O., S. 76;Bąk: Ziemia Wałecka … a. a. O., S. 214.

Die Apotheke in Tütz 1830-1945

Geschichte einer Apotheke – Teil 3

Apothekenstempel

Teil ❸ ▶︎ Seit 1830 bestand in der Kleinstadt Tütz (heute Tuczno in Polen) eine preußische Apotheke. Von deren Geschichte und ihren oft wechselnden Besitzern berichtet der folgende Beitrag, der erstmals im Jahr 2023 in polnischer Sprache in der Aufsatzsammlung »Z kart historii Tuczna i okolic« erschien. Der vorliegende dritten Teil behandelt die Jahre zwischen 1919 und 1945.

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