Beiträge

Das preußische Gericht in Märkisch Friedland

Teil 2 – Von 1850 bis zum Ende

Siegelmarke des Kreisgerichts

Teil ❷ ▶︎ Von 1773 bis 1945 war die Kleinstadt Märkisch Friedland – das heutige Mirosławiec – Sitz eines preußischen Gerichts. Der folgende Beitrag beschäftigt sich mit dessen Geschichte und mit den Richtern, die in Friedland tätig waren. Dieser zweite Teil behandelt die Zeit ab dem Jahr 1850.

Die Besetzung des Richteramtes bei der königlichen Kreisgerichtskommission in Märkisch Friedland war einem vielfachen Wechsel unterworfen. Oft kamen junge Assessoren in die kleine Stadt, wurden zum Kreisrichter ernannt – und verließen dann den Ort, um ihre Karriere bei einem größeren Gericht fortzusetzen. So war es bei Rauchfuß’ Nachfolger Theodor Adolph Skopnik, der in Märkisch Friedland als Referendar begann, im Mai 1852 zum Assessor, im Februar 1853 zum Kreisrichter berufen wurde und im Dezember 1854 nach Bromberg ging.1Personal-Chronik. In: Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Marienwerder, Nr. 24 vom 16. Juni 1852, S. 150, desgl. in: Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Marienwerder, Nr. 6 vom 9. Februar 1853, S. 31. und desgl. in: Amtsblatt der Königl. Regierung zu Bromberg, Nr. 52 vom 29. Dezember 1854, S. 522.

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Anmerkungen

  • 1
    Personal-Chronik. In: Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Marienwerder, Nr. 24 vom 16. Juni 1852, S. 150, desgl. in: Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Marienwerder, Nr. 6 vom 9. Februar 1853, S. 31. und desgl. in: Amtsblatt der Königl. Regierung zu Bromberg, Nr. 52 vom 29. Dezember 1854, S. 522. ↩︎

Das preußische Gericht in Märkisch Friedland

Teil 1 – Von den Anfängen bis 1850

Siegelmarke des Kreisgerichts

Teil ❶ ▶︎ Von 1773 bis 1945 war die Kleinstadt Märkisch Friedland – das heutige Mirosławiec – Sitz eines preußischen Gerichts. Der folgende Beitrag beschäftigt sich mit dessen Geschichte und mit den Richtern, die in Friedland tätig waren. Der erste Teil behandelt die Zeit bis zur Justizreform der Jahre 1849/50.

Ein erstes preußische Gericht wurde in Märkisch Friedland – dem heutigen Mirosławiec – im September 1773 eingerichtet, also ein gutes Jahr nach der Annektion des Netzedistrikts. Es handelte sich um ein adliges Patrimonialgericht, dessen Gerichtsherr der Besitzer der Herrschaft Friedland, Friedrich Wilhelm von Blanckenburg (1719-1777), war. Das Gericht hatte nach der Instruktion vom 17. September 1773 für eine ordnungsgemäße und durch geprüfte Justizbeamte auszuübende Gerichtsbarkeit Sorge zu tragen.1M. Bär: Westpreußen unter Friedrich dem Großen, Leipzig 1909, S. 168. Rechtsgrundlage war dabei das preußische Landrecht des Jahres 1721, jedoch mit einigen genau beschriebenen Abweichungen.2C. K. Leman: Historisch-geographische Einleitung in die Provinzialrechte Westpreußens, Marienwerder 1830, S. 57.

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Anmerkungen

  • 1
    M. Bär: Westpreußen unter Friedrich dem Großen, Leipzig 1909, S. 168. ↩︎
  • 2
    C. K. Leman: Historisch-geographische Einleitung in die Provinzialrechte Westpreußens, Marienwerder 1830, S. 57. ↩︎

Kreisphysikus Dr. Mecklenburg (1807-1882)

Eine preußische Karriere – Teil 2

Siegelmarke eines preußischen Physikats.

Teil ❷ ▶︎ Menschen verschiedenster Herkunft und Konfession prägten mit ihrer Tätigkeit das Deutsch Kroner Land. Der folgende Aufsatz, der 2026 zuerst in polnischer Sprache in den »Wałeckie Zeszyty Muzealne« (Band 4) erschien, ist dem Amtsarzt Dr.Mecklenburg gewidmet. Der zweite Teil schildert seine Lebensgeschichte von 1848 bis zu seinem Tod im Jahr 1882.

Seine Erfahrungen bei Bekämpfung der Epidemie verarbeitete Mecklenburg im Jahr 1854 zu dem Buch »Was vermag die Sanitäts-Polizei gegen die Cholera«, das wiederum im Verlag von August Hirschwald in Berlin erschien.1Dr. Mecklenburg: Was vermag die Sanitäts-Polizei gegen die Cholera? Nach eigenen Erfahrungen beantwortet. Berlin 1854. In der Schrift vertrat Mecklenburg die irrige Ansicht, »dass der Boden bei der Cholera eine Hauptrolle spielt, dass er vielleicht der Träger des Contagiums ist«.2A. a. O., S. 34. Richtig erkannte er jedoch, dass die Krankheit stets örtlich begrenzt auftrat:

Es zeigt nun aber die Cholera die meiner Ansicht nach ganz eigenthümliche Erscheinung, dass sie nur ausnahmsweise den Ort in seiner Totalität ergreift, sie umgränzt sich vielmehr und bildete Cholera-Bezirke.«3A. a. O., S. 32.

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Anmerkungen

  • 1
    Dr. Mecklenburg: Was vermag die Sanitäts-Polizei gegen die Cholera? Nach eigenen Erfahrungen beantwortet. Berlin 1854. ↩︎
  • 2
    A. a. O., S. 34. ↩︎
  • 3
    A. a. O., S. 32. ↩︎

Kreisphysikus Dr. Mecklenburg (1807-1882)

Eine preußische Karriere

Siegelmarke eines preußischen Physikats.

Teil ❶ ▶︎ Menschen verschiedenster Herkunft und Konfession prägten das Deutsch Kroner Land. Der folgende Aufsatz, der 2026 zuerst in polnischer Sprache in den »Wałeckie Zeszyty Muzealne« (Band 4) erschien, ist dem Amtsarzt Dr.Mecklenburg gewidmet. Der erste Teil schildert seine Lebensgeschichte bis ins Jahr 1848.

Nach einer Feststellung des Historikers F. W. F. Schmitt (1823-1910) prägte ein »tausendjähriger Wechselverkehr« dreier Nationen – nämlich von Polen, Deutschen und Juden – das Leben im Deutsch Kroner Land.1F. W. F. Schmitt: Geschichte des Deutsch-Croner Kreises, Thorn 1867, S. 159. Der Arzt Karl Jacob Mecklenburg war einer der vielen Wanderer zwischen den durch Religion, Sprache und Kultur geschiedenen Lebenswelten.

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Anmerkungen

  • 1
    F. W. F. Schmitt: Geschichte des Deutsch-Croner Kreises, Thorn 1867, S. 159. ↩︎

Ausflug nach Märkisch Friedland 1931

Auf den Spuren der jüdischen Gemeinde

Foto von Jacob Jacobson

Im Frühjahr 1931 unternahm der Historiker, Archivar und Genealoge Jacob Jacobson (1888-1968) im Auftrag des zionistischen Familienblatts »Menorah« einen Ausflug in die preußische Provinz.1J. Jacobson: Fahrt in die Provinz. In: Menorah. Jüdisches Familienblatt für Wissenschaft, Kunst und Literatur, 9. Jahrgang, Nr. 5/6, Wien, Berlin, Mai/Juni 1931, S. 232-241. Reiseziele waren die drei Kleinstädte Lippehne, Arnswalde und Märkisch Friedland, die aus unterschiedlichen Gründen für das jüdische Leben von Bedeutung waren. Dazu heißt es bei Jacobson:

Hier erwuchs eine Eigenart und Formung des Lebens und jene Kraft, die dann außerhalb der Heimat sich bewährte. Hier war, mochte auch die Hülle noch so wenig ansprechend sein, das zu Hause, was wir jüdische Kultur nennen dürfen.2Jacobson: Fahrt …, a. a. O., S. 235.

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Anmerkungen

  • 1
    J. Jacobson: Fahrt in die Provinz. In: Menorah. Jüdisches Familienblatt für Wissenschaft, Kunst und Literatur, 9. Jahrgang, Nr. 5/6, Wien, Berlin, Mai/Juni 1931, S. 232-241. ↩︎
  • 2
    Jacobson: Fahrt …, a. a. O., S. 235. ↩︎

Garms, Borkowski und die anderen

Titelseite der Deutsch Kroner Kreiszeitung

Teil ❸ ▶︎ Bücher und Zeitungen prägten im 19. und 20. Jahrhundert auch im Kreis Deutsch Krone das gesellschaftliche Leben. Der folgende Aufsatz, der zuerst 2025 in polnischer Sprache in den »Wałeckie Zeszyty Muzealne« (Band 3) erschien, berichtet von den Buchhändlern, Buchdruckern und Buch- und Zeitungsverlegern, die in der Stadt Deutsch Krone (heute Wałcz) wirkten und lebten. Der vorliegende dritte Teil schildert die Entwicklung bis ins Jahr 1945.

Buchhändler und Verleger in Deutsch Krone 1833-1945

V. Borkowski, Halb und Benschuweit

Ottomar Borkowski wurde am 25. November 1877 als Sohn des Steuerkontrolleurs Ernst Borkowski (geb. 1833) und dessen Ehefrau Clara geb. Dornblüht (geb. 1850) in Deutsch Krone geboren.1Urząd Stanu Cywilnego w Wałczu: Akta zbiorcze urodzen poniemieckie … a. a. O., S. 635/636. Während der Vater aus einer protestantischen Beamtenfamilie in Marienwerder stammte, war die Mutter eine Tochter des örtlichen Färbereibesitzers Carl Heinrich Dornblüth.2Siehe dazu das Aufgebot der Eltern in Urząd Stanu Cywilnego w Wałczu: Akta zbiorowe małżeństwa (1874), In: Archiwum Państwowe w Koszalinie Oddział w Szczecinku, Signatur: 28/227/0/011, S. 79-84. Über die Eltern war der Sohn also sowohl mit dem Beamten- als auch mit dem Bürgermilieu seiner Heimatstadt verbunden.

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Anmerkungen

  • 1
    Urząd Stanu Cywilnego w Wałczu: Akta zbiorcze urodzen poniemieckie … a. a. O., S. 635/636. ↩︎
  • 2
    Siehe dazu das Aufgebot der Eltern in Urząd Stanu Cywilnego w Wałczu: Akta zbiorowe małżeństwa (1874), In: Archiwum Państwowe w Koszalinie Oddział w Szczecinku, Signatur: 28/227/0/011, S. 79-84. ↩︎

Garms, Borkowski und die anderen

Schriftzug von Schaplers Buchhandlung

Teil ❷ ▶︎ Bücher und Zeitungen prägten im 19. und 20. Jahrhundert auch im Kreis Deutsch Krone das gesellschaftliche Leben. Der folgende Aufsatz, der zuerst 2025 in polnischer Sprache in den »Wałeckie Zeszyty Muzealne« (Band 3) erschien, berichtet von den Buchhändlern, Buchdruckern und Buch- und Zeitungsverlegern, die in der Stadt Deutsch Krone (heute Wałcz) wirkten und lebten. Der vorliegende zweite Teil schildert die Entwicklung bis ins Jahr 1910.

Buchhändler und Verleger in Deutsch Krone 1833-1945

III. Ziebarth und Schultz

Die mit der Baugewerkschule verbundenen Hoffnungen waren auch der Grund dafür, dass im Juni 1878 eine zweite Buchhandlung im Ort entstand. Ihr Begründer war Fritz Ziebarth, der 1846 als Sohn eines Schullehrers und Organisten in Preußisch Stargard [heute: Starogard Gdański] geboren wurde.1Evangelische Stadt-Gemeinde zu Pr. Stargardt: Tauf-Register (1826-1872), In: Evangelisches Zentralarchiv Berlin, Signatur EZA 980/7097, Blatt 189 Rückseite. Ziebarth war evangelischer Konfession und mit Elise Amalie geborene Clemens verheiratet. In Deutsch Krone kam am 15. Januar 1880 der gemeinsame Sohn Otto Fritz zur Welt.2Urząd Stanu Cywilnego w Wałczu: Akta zbiorcze urodzen … a. a. O., S. 503-504.

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Anmerkungen

  • 1
    Evangelische Stadt-Gemeinde zu Pr. Stargardt: Tauf-Register (1826-1872), In: Evangelisches Zentralarchiv Berlin, Signatur EZA 980/7097, Blatt 189 Rückseite. ↩︎
  • 2
    Urząd Stanu Cywilnego w Wałczu: Akta zbiorcze urodzen … a. a. O., S. 503-504. ↩︎

Garms, Borkowski und die anderen

Titelseite der Zeitung Der Herold

Teil ❶ ▶︎ Bücher und Zeitungen prägten im 19. und 20. Jahrhundert auch im Kreis Deutsch Krone das gesellschaftliche Leben. Der folgende Aufsatz, der zuerst 2025 in polnischer Sprache in den »Wałeckie Zeszyty Muzealne« (Band 3) erschien, berichtet von den Buchhändlern, Buchdruckern und Buch- und Zeitungsverlegern, die bis 1945 in der Stadt Deutsch Krone (heute Wałcz) wirkten und lebten. Der erste Teil schildert die Entwicklung von den Anfängen bis ins Jahr 1877.

Buchhändler und Verleger in Deutsch Krone 1833-1945

I. Die Anfänge

In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts vervielfachte sich die Produktion und der Absatz von Büchern und anderen Druckwerken in fast allen Ländern Europas.1Die Zahl der Neuerscheinungen stieg in Deutschland von 2529 (1814) auf 8737 (1850), in Frankreich von 2126 (1817) auf 7208 (1850) und in England von 842 (1828) auf 4400 (1850). Buchhandel. In: Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände, Band 3, Leipzig 1851¹⁰, S. 394. Ein Grund dafür waren technische Erfindungen, die den Druckvorgang beschleunigten und verbilligten. Ein anderer war das wachsende Bildungsniveau der Bevölkerung, das mit einer Zunahme der Lesefähigkeit einherging. Waren um 1800 nur 25 Prozent der Europäer in der Lage, einen längeren Text zu rezipieren, so stieg dieser Wert auf rund 40 Prozent im Jahr 1840 an.2R. Schenda: Volk ohne Buch. Studien zur Sozialgeschichte der populären Lesestoffe 1770-1900, Frankfurt/Main 1988³, S. 444 f.

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Anmerkungen

  • 1
    Die Zahl der Neuerscheinungen stieg in Deutschland von 2529 (1814) auf 8737 (1850), in Frankreich von 2126 (1817) auf 7208 (1850) und in England von 842 (1828) auf 4400 (1850). Buchhandel. In: Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände, Band 3, Leipzig 1851¹⁰, S. 394. ↩︎
  • 2
    R. Schenda: Volk ohne Buch. Studien zur Sozialgeschichte der populären Lesestoffe 1770-1900, Frankfurt/Main 1988³, S. 444 f. ↩︎

Ein Heim der Hitlerjugend für Tütz

Ein gescheitertes Projekt und seine Hintergründe – Teil 2

Siegel der Stadt Tütz

Teil ➋ ▶︎Seit 1936 bestanden Pläne, in der Kleinstadt Tütz (heute Tuczno in Polen) ein Heim der Hitlerjugend zu errichten. Der nachfolgende Arbeit, die in polnischer Sprache erstmalig im Jahr 2024 unter dem Titel »Dom Hitlerowskiej Młodzieży w Tucznie« im Band II des Jahrbuchs »Wałeckie Zeszyty Muzealne« erschien, berichtet anhand überlieferter Akten von diesem Projekt. Der vorliegende zweite Teil behandelt die Jahre 1938-1941.

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Ein Heim der Hitlerjugend für Tütz

Ein gescheitertes Projekt und seine Hintergründe – Teil 1

Siegel der Stadt Tütz

Teil ➊ ▶︎Seit 1936 bestanden Pläne, in der Kleinstadt Tütz (heute Tuczno in Polen) ein Heim der Hitlerjugend zu errichten. Der nachfolgende Arbeit, die in polnischer Sprache erstmalig im Jahr 2024 unter dem Titel »Dom Hitlerowskiej Młodzieży w Tucznie« im Band II des Jahrbuchs »Wałeckie Zeszyty Muzealne« erschien, berichtet anhand überlieferter Akten von dem Projekt. Der vorliegende zweite Teil behandelt die Entwicklung bis 1938.

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