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Kampf gegen Rechts
March 3, 2020, 1:32 pm CET Politik
Ich halte den Rechtsradikalismus in Deutschland nicht für das Problem, sondern für ein Symptom, das von den wirklichen Problemen ausgelöst wird.
Ich glaube deshalb nicht, dass man die AfD durch eine Antifa-Kampagne bekämpfen kann. Eine Politik, die sich um etwas mehr Sicherheit in allen Lebens- und Arbeitsverhältnissen bemüht, könnte hingegen hilfreich sein.
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Grav oder Pico?
July 19, 2019, 12:47 pm CEST software
Vor etwa zehn Jahren habe ich das kleine Dorf Königsgnade ins Internet gebracht. Ich machte das damals so, wie man es eben machte – mit etwas CSS, vielen Tabellen und ausgedehntem Menü.
Inzwischen ist die Seite Koenigsgnade.de hoffnungslos überholt, denn inzwischen gilt im Web eine ganz andere Ästethik. Die Seiten sind modular aufgebaut, Inhalt ist von Stil getrennt, die Schriften sind größer, die Bilder auch …
Ich suche schon länger nach einer einfachen Möglichkeit, meine Seite auf den neuen Stand zu bringen. Zuerst dachte ich an Wordpress, aber das ist mir zu groß und vor allem zu langsam. Ein Programm, das fast alles kann, aber nichts schnell und gut …
Jetzt habe ich verschiedene Flat-File-CMS' versucht: Pico und Grav. Pico ist sehr klein und schnell, bietet aber auch nur sehr beschränkte Möglichkeit. Ich habe kein Template gefunden, dass auf allen Ausgabegeräten ein anständiges Menü darstellen kann.
Grav ist deutlich leistungsfähiger als Pico. Aber auch steckt der Teufel im Detail. Die Seite, die zurzeit 7,5 MB auf dem Server belegt, würde mit Grav neu gestaltet (aber mit dem alten Bildmaterial) etwa 20 MB belegen. Mit Wordpress sogar etwa 30. Und die Ladezeiten verdoppeln sich mit Grav und vervierfachen sich mit Wordpress!
Zudem läuft koenigsgnade.de heute ohne PHP, JavaScript, Markdown etc. Wund was nicht da ist, kann auch nie kaputt gehen! Und wer einmal eine Seite mit PHP gebaut hat, weiß welche Abhängigkeiten da erzeugt werden. Ich habe Wochen gebraucht, um diese Blog-Engine, die für PHP 4 geschrieben wurde, unter PHP 6 am Laufen zu halten.
Vielleicht beschränke ich mich darauf, die alte Seite etwas zu renovieren und zu modernisieren. Ich überlege noch.
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Wenn die Post den Schlüssel verliert
May 11, 2019, 1:19 pm CEST Sonstiges
Aushang der PostSeit gestern sind wir von der Postzustellung der Deutschen Post AG abgekoppelt. In einem Aushang, der im Treppenhaus hing, war zu lesen, dass »der Briefzusteller eingehende Sendung nicht ordnungsgemäß zustellen« kann, »da die Haustür während der Zustellzeit verschlossen ist und auch auf Klingeln hin nicht geöffnet wird«. Diese Darstellung lässt viele Fragen offen. Erstens: Was ist genau die Zustellzeit der Post? Sie kommt täglich irgendwann zwischen neun und 15 Uhr – und manchmal auch gar nicht. Montags z. B., aber das ist ein anderes Thema. Zweitens: Wenn die Haustür »auch auf Klingeln hin« nicht geöffnet wird, wie kommt dann der Aushang ins Treppenhaus? Und drittens: Warum klingelt der Postzusteller überhaupt? Die Post hat doch einen Schlüssel zum Haus. Und zwar seit Jahren!
Heute bekam ich einige Antworten, denn ich traf die zurzeit zuständige Zustellerin auf der Straße. Nein, es gebe keinen Schlüssel mehr, den habe ein Aushilfszusteller verloren. Und zwar mitsamt dem Schlüsselbund, der alle Schlüssel zu allen Häusern der Straße enthält. Und sie müsse jetzt überall klingeln und habe nicht immer Zeit, zu warten, bis endlich geöffnet würde. Für den Aushang sei ihr geöffnet worden, aber die Postzustellung sei trotzdem eingestellt und bleibe das auch, bis die Post einen neuen Schlüssel habe …
Ich war ein wenig sprachlos. Da wird bei der Post ein Schlüsselbund verschlampt und die informiert über diesen doch auch sicherheitstechnisch relevanten Sachverhalt nicht etwa die Bewohner, sondern stellt die Briefzustellung ein. Mir fehlen die Worte.
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Stoll PT59
April 25, 2019, 10:27 am CEST Musik
Stoll PT59Vor ziemlich genau zehn Jahren kaufte ich im »Guitar Center Cologne« (damals noch auf der Aachener Straße) meine erste vollmassive Gitarre: eine Stoll PT59.
Das Instrument kostete damals in der Lefthand-Ausführung und mit Koffer 850 Euro. Sie ist in Deutschland (in Waldems-Esch) gebaut. Stoll hat die Gitarre immer noch im Angebot, der heutige Preis beträgt laut Angabe auf der Webseite 1250 Euro.
Was bekommt man für das Geld? Zuerst einmal viel Holz, das sich auch so anfühlt, denn die Stoll ist nur hauchdünn seidenmatt lackiert. Der Nitrocellulose-Lack meiner Stoll hat die zehn Jahre gut überstanden, die Fichtendecke ist schön nachgedunkelt. Boden, Hals und Zargen sind bei meinem Instrument aus Mahagoni, das Griffbrett ist aus Palisander. Die Mechaniken sind von Schaller und tun immer noch gut ihren Dienst.
Die Stoll ist sehr leicht (1850 Gramm) und hat eine sehr schnelle und sehr direkte Ansprache. Und sie ist ziemlich laut – trotz der eher kleinen Bauweise.
Der Hals der Stoll ist eine massive Sache, stark und dick und auch am Sattel noch 48 Millimeter breit. Er passt damit gut zu meinen Händen.
Ich spiele auf der Gitarre vor allem Fingerpicking. Zum Strumming finde ich sie nicht so geeignet, denn der Ton kommt zwar schnell, ist aber auch sehr trocken. Das liegt an der deutschen Bauweise des Halses. Gitarren mit spanischer Konstruktion klingen anders und eignen sich, wie ich finde, besser fürs Strumming.
Schallloch-RosetteDie PT59 wird von Stoll als »Einsteiger-Instrument« gehandelt – und das hat auch seine Berechtigung. Das Holz hat nicht die höchste Qualität, der Hals ist aus drei Stücken zusammengesetzt, Verzierungen hat die Gitarre (mit Ausnahme der hübschen Schallloch-Rosette) nicht aufzuweisen. Die Zargen sind nicht mit den üblichen »Tentelones«, sondern mit Leisten befestigt. Ich habe den Kauf der Stoll nie bereut, die Gitarre ist solide und macht viel Spaß.
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Geschirrbrause
March 7, 2019, 4:42 pm CET Sonstiges
Ich hatte eine neue Geschirrbrause bestellt. Im Internet natürlich, denn der letzte Baumarkt in der Kölner Innenstadt hat vor einigen Jahren dicht gemacht. Die Brause war billig. Und der Versand mit DHL war schon inklusive.
Gestern Mittag hing ein Zettel an meiner Haustür. DHL teilte mir mit, man habe mich leider nicht angetroffen und die Sendung bei meinem Nachbarn abgegeben.
Beides war gelogen. Ich war den ganzen Vormittag zu Hause, aber es hatte niemand geläutet. Und man hatte das Paket nicht bei meinem Nachbarn abgegeben, sondern bei einem Paketshop fünf Straßen weiter. Paketboten haben einen beschissenen Job. Sie können nicht überall klingeln -- ist mir schon klar.
Heute Morgen las ich in der Zeitung, dass Hermes und DPD künftig einen Extrazuschlag für die Lieferung nach Hause erheben wollen. Und in Schweden, sagte die Zeitung weiter, gibt es das eh schon lange nicht mehr. Kein Mensch kriegt da ein Paket nach Hause.
Dieses Schweden ist ein furchtbares Land. Kein Bargeld, keine Pakete. Der Alltag bliebt schwierig.
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Ein Hauch von Gras und Harz
May 13, 2018, 9:58 am CEST Sonstiges
Wer an einem späten Samstagabend vom Eigelstein zum Ebertplatz geht, riecht den süßlichen Duft ab der Torburg. Ein Hauch von Gras und Harz liegt in der Luft – von gerauchtem Gras und Harz wohlgemerkt, das den Familien Cannabis sativa oder Cannabis indica angehört. Weiter zum Ebertplatz hin wird aus dem Hauch dann ein massives Odeur. Man könnte high werden, wenn man lange genug verweilt.
Der Geruch steigt heraus aus den Katakomben des Ebertplatzes, in denen Kölns afrikanische Gemeinde am Wochenende ihre Partys feiert. Das »African Drum« ist der Treffpunkt, denn es bietet afrikanische Speisen zu bezahlbaren Preisen und am Wochenende auch Musik und Tanz im grauen Betonbunker.
An glücklichen Abenden vermischt sich das afrikanische Publikum mit den Besuchern der jungen Galerien, die ebenfalls in den Katakomben des Ebertplatzes eine Heimat gefunden haben. Kunst, Musik und Tanz kommen dann zusammen – und treffen auf Alkohol und Dope.
Die Selbstverständlichkeit des Drogenkonsums an diesem Ort verblüfft mich immer wieder. Es wird offen und öffentlich geraucht. Und der Geruch zieht bis zur alten Eigelsteintorburg. Niemand scheint's zu stören. Die Polizei hat sich noch nicht eingemischt.
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Winner takes it all
April 14, 2018, 5:39 pm CEST Literatur

Buchcover»Wir haben nicht bedacht, dass digitale Märkte nach dem Winner-takes-it-all-Prinzip funktionieren. Das ist in nicht-digitalen Märkten anders.«
»Ein Beispiel?«, fragt Peter.
»Sagen wir, in deiner Straße sind zwei Eisdielen. Diele A ist einen Tick besser. Wo würdest du hingehen?«
»Na, zu Diele A.«
»So denken aber alle. Also ist immer eine riesige Schlange vor Eisdiele A. Manchmal ist sogar deine Lieblingssorte aus, bevor du drankommst. Und Diele B ist wirklich nur minimal schlechter und nicht so voll. Wo würdest du hingehen?«
»Diele B.«
»So verteilt sich die Kundschaft. Weil sich Eis nicht beliebig oft kopieren und an alle Kunden gleichzeitig ausgeben lässt. Ganz im Gegensatz zu …?«
»Digitalen Produkten«, sagt Peter. […]
»Also, aus eben Gesagtem folgt: Selbst wenn sie nur minimal schlechter wäre, gäbe es keinen Grund, die zweitbeste Suchmaschine zu benutzen. Winner takes it all – Loser gets nothing. In der Digitalwirtschaft braucht keiner das zweitbeste Produkt, den zweitbesten Anbieter, das zweitbeste soziale Netzwerk, den zweitbesten Shop, den zweitbesten Comedian, den zweitbesten Sänger.«

Marc-Uwe Kling: Qualityland, Roman, Berlin (Ullstein) 2017
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